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Celle Stadt Tattoo-Motive aus heimischer Feder: Cellerin Melina Kudlek entwirft Kunstwerke
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tattoo-Motive aus heimischer Feder: Cellerin Melina Kudlek entwirft Kunstwerke
14:53 06.05.2015
Die Tattoozeichnerin Melina Kudlek aus Celle trägt stolz ihre Tattoos und wird im Herbst in einem Tattoostudio in Hannover das Tätowieren lernen. Quelle: Friederike Plesse
Celle Stadt

Der bunt beklebte Esstisch ist übersät von Stiften. Melina Kudlek zeichnet konzentriert. Schnell hat sie noch ein paar Korrekturen an ihrem Bild vorgenommen. Eines fällt sofort auf: Mit einer großen Liebe zum Detail entstehen durch Melinas Hand kleine Kunstwerke.

„Ich zeichne seit dem Kindergarten“, sagt sie. Ihr schwarzes Shirt ist hochgekrempelt. Auf ihrem Unterarm sind mehrere Meeresmotive zu erkennen. „Das ist mein Seearm“, sagt Melina und grinst. Er erinnert sie an ihre Heimat und ihren Vater, der auf See arbeitet. „Mit 18 hab ich mir mein erstes Tattoo stechen lassen. Zwei Schwalben. Sie stehen für Rebellion und Freiheit“, erzählt sie. Ihr Bruder tätowiert auch, daher liege das Interesse dafür in der Familie.

„Vor dem 18. Lebensjahr sollte man sich jedoch kein Tattoo stechen lassen, da der Körper noch wächst und dies das Tattoo verziehen kann“, sagt sie. Melina habe sich damals viel Zeit gelassen, bevor sie beschloss, sich ein Tattoo stechen zu lassen. „Zuerst habe ich mich in meinem Freundeskreis nach einem guten Tätowierer umgehört. Ich habe vorher einem Termin vereinbart und mir das Studio genau angeschaut. Wichtig ist, darauf zu achten, ob die Hygienevorschriften eingehalten werden. Da stellen sich einige Fragen. Macht das Studio einen guten Eindruck? Ist es gewischt und ordentlich dort?“

Zusätzlich müsse über mögliche Allergien wie zum Beispiel gegen Latex gesprochen werden, da Tätowierer mit Latex-Handschuhen arbeiten. Außerdem habe sie interessiert, ob und wie der Tätowierer zeichnet. Die Qualität und der Stil der Bilder seien entscheidend. Ihr Favorit und eigener Zeichenbereich ist der „neo-traditionale Stil“. „Auf der Homepage des Studios oder bei Facebook kann man Bewertungen und Kommentare der Kunden durchlesen und sich ein erstes Bild machen“, sagt sie.

Denn es gibt auch viele schwarze Schafe unter den Tätowierern. Was viele vielleicht nicht wissen: Jeder kann Tätowierer werden. Der Ausbildungsberuf ist nicht anerkannt. „Die Grundvoraussetzung, um eine Ausbildung als Tätowierer machen zu können, ist das Zeichnen. Wer nicht zeichnen kann, für den macht dieser Beruf keinen Sinn. Ich habe mich mit einer Zeichenmappe beworben. Es war sehr aufwendig. Gefragt sind Ehrgeiz, Zeit und Nerven. Wie in jeder Ausbildung ist man zunächst das Mädchen für alles“, sagt Melina. Zurzeit arbeitet sie im Einzelhandel und hat vorher in diesem Bereich eine Ausbildung absolviert.

Im Herbst wird sie dann im Tattoo-Studio „force Ink“ in Hannover das Tätowieren lernen. „Ich habe vor meiner Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in Celle schon ein halbes Jahr in einem Tattoo-Studio gearbeitet. Aber dann entschied ich mich, erst eine anerkannte Ausbildung zu machen“, erzählt sie und betrachtet eines ihrer Bilder.

Das Zeichnen der Tattoo-Motive ist ihre Leidenschaft. Neun Tattoos schmücken ihren eigenen Körper. „Dafür hab ich gespart. Tattoos sind teuer. Mit 50 Euro aufwärts muss gerechnet werden. Größe, Motiv und Stil bestimmen den Preis“, sagt sie. Bei ihrem ersten Tattoo habe sie große Schmerzen gehabt. „Ich hab mich aber auf das Ergebnis gefreut. Mit Süßigkeiten kann man sich während des Stechens ablenken“, sagt sie.

Tattoos sind offene Wunden, an die keine Keime herankommen dürfen. „Am besten deckt man es drei Tage mit einer Folie ab. Diese muss drei Mal am Tag gewechselt werden. Wenn es heilt, muss der Schorf drauf bleiben und darf nicht abgekratzt werden. Sonst gibt es Flecken oder Narben im Tattoo. Kaltes Wasser hilft gegen den Juckreiz. Das Tattoo darf nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, und nach dem Stechen darf man zwei Wochen lang keinen Sport machen“, rät Melina.

Je nachdem an welcher Stelle das Tattoo gestochen wurde und welcher Hauttyp man sei, müsse es auch weiterhin speziell gepflegt werden. „Ich persönlich würde niemals Tribals zeichnen. Auch Delfine und alle Motive der Neunziger sind nicht mehr aktuell. Beliebt sind bärtige Seemänner, Tiere, Kirschblüten, Traumfänger, Unendlichkeitszeichen und Mandalas“, sagt sie. Melina zeichnet nicht nur Tattoos. Auf Facebook (MelinasArtDesign) und Instagram veröffentlicht sie ihre neuesten Projekte, zu denen auch T-Shirt-Designs und Albumseiten für Bands gehören.

Von Friederike Plesse