Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Theodor Fontanes Roman überzeugt als Vierpersonenstück in Celles Halle 19
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Theodor Fontanes Roman überzeugt als Vierpersonenstück in Celles Halle 19
17:20 20.01.2017
Dirk Böther als „Baron von Innstetten“ und Johanna von Gutzeit als „Effi Briest“zogen das altersmäßig erfreulich gemischte Publikum in ihren Bann Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Natürlich, vieles im Roman von Fontane ist der Gegenwart sehr fern. Aber genauso kann man feststellen, dass wiederum so manches davon heute in anderer Form in unserer Gesellschaft präsent ist. Niemand wird heute abstreiten, dass ein Duellieren zur Rettung der eigenen Ehre in der historisch übermittelten Form anachronistisch ist, aber was sind eigentlich Ehrenmorde im Vergleich dazu? Und: Sind nicht auch bei uns extrem verfestigte soziale und familiäre Strukturen mehr als einmal Ursache für unglückliche Leben? Die Celler Aufführung macht das gekonnt deutlich. Diese klassischen Texte bergen eben immer auch einen herauszuschälenden Kern an zeitlos relevanten Fragen.

Adnan Taha als Regisseur hat eine Fassung des Stücks erarbeitet, die es ermöglicht, den umfangreichen und mit vielen Figuren ausgestatteten Roman mit vier Schauspielern umzusetzen. Eine wirklich zwingende Fassung gelang allerdings nur bedingt, denn man hätte durchaus noch mehr Figuren streichen können. So manch Doppelbesetzung schien wenig geglückt und führte, auch durch ein nicht immer ausreichend differenziertes Spiel, eher zu einer verwirrenden Sache als zu einem stringenten Handlungsablauf. Trotzdem: Das Schicksal der freiheitsliebenden, aber jung verheirateten Effi, ihres Geliebten und ihrer wenig einsichtigen Eltern wurde glaubhaft vermittelt. Jeder Zuschauer konnte dank der Zeitlosigkeit und Abstraktheit des Bühnenumfelds (Bühne: Sophie Marie Frauscher) seine Parallelen im eigenen Umfeld suchen. Und so ganz nebenbei durfte man staunen, dass es den vier Akteuren gegen Ende immer mehr gelang, das altersmäßig erfreulich gemischte Publikum in ihren Bann zu ziehen. Am überzeugendsten gelang dies Johanna von Gutzeit als Effi, die allerdings auch den Vorteil hatte, dass sie nicht zwischenzeitlich auch noch andere Figuren hat spielen müssen wie Verena Saake, Dirk Böther und Julius von Schubert.

Von Reinald Hanke