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Celle Stadt Tolle Chöre singen Bachs Weihnachtsoratorium in der Celler Stadtkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tolle Chöre singen Bachs Weihnachtsoratorium in der Celler Stadtkirche
16:53 11.12.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Drei Kantaten wurden mit erfrischender Jugendlichkeit von Doormanns Schulchor gesungen, die anderen drei von der Stadtkantorei, deren Mitglieder mit dem Stück bereits länger vertraut sind. An wenigen Stellen kamen die beiden Chöre zusammen. Auch der Nachwuchschor mit den Jüngsten durfte gelegentlich gekonnt mitwirken. So entstand schon alleine wegen der im Wechsel erklingenden Chöre ein reizvoller klanglicher Abwechslungsreichtum.

Höhepunkte gab es viele: Am besten in Erinnerung dürften wohl der so beschwingte wie gelöst klingende Chor „Herrscher des Himmels“ bleiben sowie die so kraftvoll wie leichtfüßig daherkommende Sopranarie kurz vor Schluss und der anschließende Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“. Doormann ließ diesen Choral so schlicht, in sich gekehrt leise und extrem ruhig singen, dass dieses Stück wie eine Neuentdeckung wirkte. Da stimmte alles: von den Tempoproportionen bis zu den Klangrelationen, von der Phrasierung bis zu einem Klang, der in seiner Homogenität perfekt ausbalanciert war. Überhaupt: Während die Stadtkantorei durch wiedergewonnene Sicherheit, Volumen und Klangschönheit gefallen konnte, faszinierten die Jugendlichen durch ihre Unbefangenheit und durch eine Qualität als Chor, die nicht nur für den Chorleiter, sondern auch für jedes Mitglied spricht.

Trotzdem waren diese Konzerte nicht ohne Schwächen. Da ist vor allem das Orchester zu nennen, das zwar in den Streichern von überdurchschnittlicher Qualität war, aber in den Bläsern immer wieder Mängel offenbarte. Während die Holzbläser gelegentlich hörbar schwammen, so ging bei den Blechbläsern manchmal noch mehr schief. Natürlich ist es immer eine Herausforderung, wenn man als Trompeter immer wieder nach langen Pausen hohe Passagen zu spielen hat, bei denen jeder kleinste Fehler auffällt, aber das gehört nun einmal zum Job eines Trompeters dazu. Hier hatte man den Eindruck, dass die Probleme auch mit dem historischen oder historisierenden Instrument zusammengehangen haben.

Auch unter den Solisten zeigten sich spürbare Unterschiede. Während die Sopranistin Anna Nesyba durch eine zwar kleine, aber gut geführte und sehr schöne Stimme und mit hoher Musikalität gefallen konnte, bestach bei Altistin Ivonne Fuchs vor allem deren überlegene Gestaltung und eine fast vollkommen bruchlose, große, dabei aber schlanke Stimme. Der bewährte Bass Hans Christian Hinz fügte sich optimal ein, während der besonders anspruchsvolle und umfassende Tenorpart von Immo Schröder mit großem Koloraturkönnen gesungen wurde, aber mehrfach durch eine äußerst brüchige Stimme in der Höhe auffiel. Alles in allem überwog aber der positive Gesamteindruck bei Weitem.

Von Reinald Hanke