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Celle Stadt "Torf ist nicht mehr da": Celler Landwirte zum geplanten Moorschutz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Torf ist nicht mehr da": Celler Landwirte zum geplanten Moorschutz
17:51 16.11.2014
Gerd-Henrik Grünhagen ist sauer. Kurz hinter seinem Schweinestall soll das Vorrangebiet beginnen. Dieser wäre durch eine Anhebung des Wasserstandes bedroht. Quelle: Alex Sorokin
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Celler wehren sich gegen die Moorschutzpläne des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Rund 30 betroffene Landwirte und Grundstücksbesitzer haben sich beim Landvolk Celle über das Vorhaben von Minister Christian Meyer informiert. „Wir haben die Problematik erläutert und den Betroffenen erklärt, wie sie eine Stellungnahme formulieren können“, sagt der Celler Landvolk-Geschäftsführer Martin Albers.

Viele wussten bis dahin nicht, dass auch Teile ihres Landes als sogenannte Vorranggebiete ausgewiesen wurden. Sollte das geplante Landesraumodnungsprogramm in Kraft treten, könnten diese Bereiche durch Wiedervernässung in Moore zurückverwandelt werden. „Ich hatte etwas über einen betroffenen Landwirt bei Cuxhaven gelesen und dachte: 'Gut, dass wir hier kein Moor haben'“, erinnert sich Gerd-Henrik Grünhagen aus Barmbostel. Doch auch sein Land fällt in ein Vorrangebiet.

Dabei sei in diesem Bereich kaum noch Torf vorhanden. „Die Voraussetzungen sind nicht gegeben, weil an den partiellen Stellen, wo früher Torf in einer ausreichenden Mächtigkeit war, dieser vor mehreren Jahrzehnten bereits abgebaut wurde“, schreibt er in seiner Stellungnahme, in der er das Landwirtschaftsministerium auffordert, seine Flächen aus dem Verfahren heraus zu nehmen.

Auch die Bodenkarten weisen lediglich Sand aus, erklärt Albers. Grünhagen versteht das Ministerium deswegen nicht: „Wo kein Moor ist, kann auch keins gefördert werden.“ Die gleichen Argumente hat sein Berufskollege Kort Otte aus Hassel, dessen Grünland fast komplett in einem angedachten Moorschutzgebiet liegt. „Ursprünglich ist das sicherlich Moor. Dieser Torf, der geschützt werden soll, ist aber zu rund 70 Prozent gar nicht mehr da“, sagt er.

Von Otte liegen rund 10 Hektar Grünland im Vorrangebiet, weitere betroffene Felder in den „Offener Wiesen“ sind von ähnlicher Größe. Bei Grünhagen sind es fünf Hektar. Damit sind bei den Cellern vergleichsweise kleine Flächen angedacht. Trotzdem hätte eine Wiedervernässung erhebliche Folgen für sie. Denn die Anhebung des Wasserstandes würde nicht nur die Bewirtschaftung der Grünflächen einschränken. Auch der Ackerbau auf anliegenden Flächen würde darunter leiden. „Mein anliegender Schweinestall und Waldflächen wären in Gefahr“, so Grünhagen.

Otte kann einfach nicht glauben, dass alles, was seine Vorfahren erarbeitet haben, innerhalb weniger Jahre wieder zunichte gemacht werden soll. „Der Torf wurde damals abgebaut und die Flächen mit Sand unterkippt. Sie sind jetzt in einem sehr guten Zustand“, sagt er. Deswegen hat auch er Stellung genommen. Für ihn ist das Vorhaben nicht akzeptabel.

Außerdem berichten beide davon, dass auch anliegende Wohngebiete durch Anhebung des Wasserstandes gefährdet sein können und so Familienexistenzen bedroht seien.

Von Johanna Müller