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Celle Stadt Tosende Beifallsstürme für Brahms-Requiem in Celler Stadtkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tosende Beifallsstürme für Brahms-Requiem in Celler Stadtkirche
16:52 08.11.2010
Stimmungsvoll und ergreifend: Die Aufführung des Brahms-Requiems unter der Leitung von Martin Winkler in der Celler Stadtkirche. Quelle: Peter Müller
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Brahms‘ Requiem ist keine liturgische Totenfeier, denn der Komponist vertonte weder den Text der katholischen Totenmesse noch entsprechen die gewählten Bibelverse in ihrer Zusammenstellung deren Intention. Vielmehr rückt bei Brahms die Trauer und die Tröstung der Hinterbliebenen ins Zentrum der Betrachtung. So stand auch in Winklers Interpretation die Hoffnung der Menschen auf ein erfülltes Leben nach dem Tod im Mittelpunkt: In jedem einzelnen Satz spannte sich der Bogen vom Leid zur Freude, und das mit großer Empathie. Der Chor setzte verhalten und fast im Flüstern ein, dann die mehrfach geteilten, gedämpften Violinen – man fühlte sich geradezu in eine zwar schöne, aber bedrückend-traurige Beerdigungszeremonie versetzt. Mit dem gebotenen Gespür für die intime Atmosphäre von Traurigkeit und Trost gestaltete Vegry ihren gefühlvoll tremolierten Solopart „Ihr habt nun Traurigkeit“ und verlieh den Christus-Worten mit ihrer tragfähigen Stimme immens viel Strahlkraft. Auch Pöhl fügte sich in dichter Stimmführung und sehr einfühlsam mit seinem demütig bittenden „Herr, lehre doch mich“ in die Harmonien des Orchesters. Und das „Concerto Armonico“ fungierte wie ein zweiter Chor, nicht dominierend und nicht nur begleitend, sondern auslösend, antwortend und weiterführend. In dieser ergreifenden Atmosphäre den sanften Trost herauszuheben, ihn immer wieder abzugrenzen gegen die Unerbittlichkeit des Leidens und Sterbens, das gelang Winkler und seinen Musikern mit Bravour und fesselnder Klangdramatik: Hier der kernige kräftige Brahms, dort dessen weiche intime Seite. Und als sich die Musik nach dem beschworenen Triumph über den Tod am Ende den Verstorbenen zuwandte („Selig sind die Toten“), da klangen Chor und Orchester, als habe alles menschliche Leben schon längst eine höhere Dimension erreicht. Ergriffene Stille herrschte zunächst nach dem letzten Ton – dann brach lang anhaltender Beifall los.

Von Rolf-Dieter Diehl