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Celle Stadt Totalkracher neben Sternstunden der Belanglosigkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Totalkracher neben Sternstunden der Belanglosigkeit
12:47 16.02.2010
„Lobbyland“ – Buschtrommels achter Streich am Nordwall 46 - Politsatire in amüsant-bissigen Spielszenen – dafür steht das Kabarettduo „Die Buschtrommel“, das jetzt mit seinem achten Programm „Lobbyland – Schöner war es nie“ in KUNST & BÜHNE zu Gast ist. - Ludger Wilhelm (r) und Andreas Breiing (l) Quelle: Aneka Schult
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Verfingen sich die Künstler anfangs in humorarmen Monologen über wolllose Schafe und Lachmöwen, die sich auf Heulbojen verziehen, wurde es später vielseitiger. Zum Thema hatte das Kabarett „Lobbyland“ (Regie: Andreas Hartmann) zwar Wirtschaft, Kohle, Steuern und Hinterziehung, schwule Minister des Äußeren und FDP. Aber das Polit-Gefasel war so spröde wie die Politik, Pointen kamen nur aus der zitierten Presse. Auch war es öde, das Politiktheater auf den Spielrasen zu verlegen. Wer nun rechts außen spielt, fault und zum zigsten Male eine Schleimspur zieht, wissen wir längst. Was auch zum Teufel machen wir mit dem tausendsten Vorrechnen von Managergehältern und „zu üppigen Hartz-IV-Bezügen“? Sehr investigativ. Und der Flüchtlingstreck mit ausgemergelten Managern? Die Satire lebt. „Haiti schickt Wolldecken“. Pietätlos. Wenn die Kunst so verflacht, hat uns die Politik in der Zange. Der krönende Abschluss des schlechten Kabarett-Doppels war der Geld-Koffer-Tango.

Dann ging es bergauf, mit Willi aus Wanne-Eickel. Ballonseide. Sternzeichen Fuchs. Da war zumindest das Idiom witzig. Es folgte Breiing alias Pofalla. Schmieriger und schräger kann man kaum parodieren. Die Mimik, dieser zur Schau gestellte Schleim. Spitze. Endlich durfte man lachen. Nach der Pause ging’s kurz weiter mit Sparwitzen im Doppelpack unter dem Motto „Sternstunden der Belanglosigkeit“. Ein Kracher war nur der Bier-Aufschäumer. Der Stuhl-an-Stuhl-Talk erinnerte an Schultheater. Leicht besser war das Navigationsgerät á la „Big Brother ist watching you“. Vielleicht verlief das Mann-Maschine-Gespräch über Menschenrechtskonvention und Religionsfreiheit auch schlicht zu ernst. Anders das „Liechtenstein“-Gedicht von Klaus Mann (1933). Das gab zu Denken. Schließlich bot Breiing als Nachwuchstalent der CDU/CSU mit feucht-fröhlicher Wahlkampfrede eine Suff-Numemr par excellence. Und siehe: am Ende konnten Ludger und Breiing als olle Opis auch zusammen komisch sein. Fazit: Kunst & Bühne war voll, die Leute applaudierten. Also gut.

Von Aneka Schult