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Celle Stadt „Tote Hose“ dient niemandem
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Tote Hose“ dient niemandem
16:38 17.04.2013
Kostet Kultur nur oder bringt sie auch etwas ein? - Dr. Manfred Zeiner. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Kein Zweifel – das kulturelle Leben einer Stadt und einer Region trägt viel zur Attraktivität bei Besuchern und Bürgern bei. Welche wirtschaftliche Bedeutung auswärtige Museumsbesucher für die Stadt Celle in Zeiten haben, in denen der finanzielle Spielraum der Kommunen begrenzt ist, hat das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) im Jahr 2010 untersucht.

Zu einem Vortrag unter der Fragestellung „Welchen Nutzen ziehen wir aus unserem Kulturangebot, speziell aus den Celler Museen, und kann sich Kultur auch in Cent und Euro rechnen?“ hatte deshalb der Vorstandsvorsitzende der Celler Sparkasse, Axel Lohöfener, in den Kleinen Festsaal des Schlosses eingeladen. Leider waren nur wenige Teilnehmer aus der Kommunalpolitik, den kulturellen Trägern und von der Sparkasse selbst dieser Einladung gefolgt.

„Wir haben die Celler Haushalte in einer repräsentativen Stichprobe befragt, um das Volumen des Besucherverkehrs und der Übernachtungsgäste bei Freunden und Verwandten zu dokumentieren,“ sagte Referent Manfred Zeiner von der dwif-Consulting in München. Die meisten Übernachtungsgäste würden in Celle etwa dreieinhalb Tage zumeist an Wochenenden verweilen. Im Jahresverlauf kämen so rund 450.000 Übernachtungen im privaten Bereich zusammen. Sie würden ein starkes Potential für Museumsbesuche, für den Einzelhandel und auch für das Beherbergungsgewerbe bilden.

Das Rückgrat des Tourismus aber seien die Tagesbesucher. Sie wollten die unterschiedlichsten Dinge von Shopping-Aktivitäten über Freizeitveranstaltungen bis hin zu Museumsbesuchen erleben. Deshalb sei es wichtig, alle Bereiche miteinander zu kombinieren, wenn man daran interessiert sei, einen florierenden Tourismus zu erhalten. Davon profitiere zwar vor allem der Einzelhandel, aber mit immerhin noch 12 Prozent der Ausgaben auch der Dienstleistungsbereich, zu dem man die Museen zählen müsse. Überhaupt spielten Museen eine große Rolle für Tagesbesucher und die „Kultur-Touristen“. Gut die Hälfte von ihnen nehmen eine Entfernung von bis zu fünfzig Kilometern in Kauf, ein Viertel käme aus einer Entfernung von fünfzig bis hundert Kilometern und ein Drittel wäre immerhin noch bereit, mehr als hundert Kilometer zu fahren.

Die Strahlkraft von Museen sei somit enorm. Ihre Attraktivität werde häufig auch am Eintrittspreis gemessen. „Die teuren Museen sind attraktiver,“ sagt Zeiner, „je teurer ein Museum ist, desto größer ist nachweislich auch die Reichweite für Tagestouristen.“ Dabei hätten Museen in Großstädten natürlich Vorteile, zumal dort das „Einkaufen nebenbei“ stärker ausgelebt werden könne. „Wo neben dem kunsthistorischen Genuss ein attraktives Beiprogramm geboten wird, sind die Menschen eher bereit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.“

Rund vierzig Prozent von ihnen besuchen zusätzlich ein Café oder Restaurant und 25 Prozent gehen vorher oder nachher einkaufen. „Im Durchschnitt gibt jeder von ihnen dann noch 28 Euro aus,“ verdeutlicht Zeiner die wirtschaftlichen Auswirkungen. Aber auch das hänge von der Attraktivität des Museums ab. „Mit ‚toter Hose‘ ist niemandem gedient.“

Von Hartmut Jakubowsky