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Celle Stadt Tracy Letts Erfolgsstück „Eine Familie“ feiert am Freitag Premiere im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tracy Letts Erfolgsstück „Eine Familie“ feiert am Freitag Premiere im Celler Schlosstheater
19:01 02.02.2015
Nur auf den ersten Blick leichtfüßig: das Ensemble mit (von links) Johann Schibli, Morgane Ferru, Thomas Wenzel, Jürgen Kaczmarek, Ingeborg Stüber, - Katrin Steinke Quintana, Verena Saake, Ulrich Gall, Eva-Maria Pichler, Josephine Raschke und Michèle Breu. Quelle: Benjamin Westhoff
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Brandis ist ein Mann mit Erfahrung und einer interessanten Biografie, wurde er doch in New York geboren, wuchs in Deutschland auf und studierte dann zunächst einmal Jura, bevor er sich dauerhaft dem Theater zuwendete. Auffallend an Brandis' bisherigem Werdegang als Regisseur ist, dass er nicht auf eine bestimmte Art von Stücken festgelegt zu sein scheint. Er profilierte sich mit Werner Schwabs einstigem Kultstück „Präsidentinnen“ genauso wie mit Molières „Der Geizige“ oder mit einer Komödie am Hamburger Ohnsorg-Theater.

Aber schon diese auf drei einzelne markante Stücke reduzierte Aufzählung von erfolgreichen Brandis-Inszenierungen zeigt eines ganz klar: Brandis ist ein Regisseur, der weniger die hehre schillersche Theateranstalt anstrebt als Stücke inszeniert, bei denen es auf Timing, Tempo und Reaktionsschnelligkeit ankommt. Und derartiges geht nur, wenn man mit einem gut zusammenpassenden Ensemble arbeitet. Es war das konkrete Anliegen von Schlosstheater-Intendant Döring, in der Mitte der ersten Spielzeit in Celle ein solches Ensemblestück auf die Bühne zu bringen. Man wird nun sehen, wie stark das so gut gestartete neue Celler Ensemble inzwischen schon zusammengewachsen ist.

Ab Freitag, dem 6. Februar, wird das zu erleben sein. Die Celler Theaterfreunde erwartet ein Stück, das der Regisseur mit leichter Hand und mit Gespür für Tempo und Rhythmus inszenieren möchte, ein Stück aber auch, das einen intelligenten und kreativen Umgang mit den Autorenangaben zum Bühnenbild erfordert. Liest man diese, ohne bereits mehr über das Stück zu wissen, so können sie durchaus irritierend sein. Wie soll man sich die Konkretisierung einer Bühnenangabe vorstellen, die mehrere Räume in einem Haus umfasst und zudem sogar die Detailgestaltung noch geradezu naturalistisch genau beschreibt? Brandis macht es spannend, wenn er andeutet, dass tatsächlich ein ganzes Haus auf der Bühne zu sehen sein wird. Aber es wird eben bestimmt nicht naturalistisch sein. Mehr wird nicht verraten.

Regisseur Brandis ist sich darüber im klaren, dass das im Originaltext mit 128 Seiten äußerst umfangreiche Stück in einer Aufführung leicht einmal vier oder fünf Stunden lang werden kann. Im Wiener Akademietheater war das so. „Aber keine Sorge,“ so Brandis, „wir werden bis zur Pause vielleicht eineinhalb Stunden oder etwas mehr brauchen. Und danach wird die Aufführung umso schneller nach maximal einer Dreiviertelstunde zu Ende sein.“ Man darf gespannt sein.

Von Reinald Hanke