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Celle Stadt Traum eines Cellers: Der Gesellschaft den Spiegel vorhalten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Traum eines Cellers: Der Gesellschaft den Spiegel vorhalten
17:47 03.08.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Peter Bierschwale
Celle Stadt

Mein Traum: Jeder Mensch braucht einen Ausdruck, um sein Innenleben nach außen zu kehren. Auch beim Sport oder mit Musik kann sich jeder ein Bild geben, das zeigt, wie er fühlt. Ich drücke mich über das Schreiben aus und geben meinen Gedanken Wörter. Beim Schreiben werde ich mir selbst bewusst. Wenn ich beim Poetry-Slam antrete, will ich die sechs Minuten auf der Bühne nutzen, um etwas anzusprechen, was viele betrifft. Dabei möchte ich der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.

Mein Weg dahin: Ich habe noch meine ersten Gedichte aus der Grundschule im Kopf, die ich zusammen mit meinem Bruder geschrieben habe. Doch später wurde das Schreiben in der Schule mehr zu einem Zwang und war leider nichts Kreatives mehr. Heute schreibe ich jeden Tag etwas auf. Im März 2016 habe die Moderatorin Jessy James LaFleur kennengelernt, die mir das Gefühl gegeben hat: "Ich vertraue dir. Mach einfach das, worauf du Lust hast."

Das Problem: Es gibt viele Rollen, die einem die Gesellschaft auferlegt. Es sei ein Zeichen von Schwäche, Emotionen zu zeigen. Doch ich möchte nicht ein einer Welt leben, in der man sich verstecken muss. Zum Beispiel hieß es nach dem Abi: "Mach irgendetwas, sei produktiv." Damals bin ich instinktiv geflüchtet und habe in Halle drei Semester Philosophie und Literaturwissenschaft studiert. Das war zwar gut für den Kopf, aber schlecht für den Geldbeutel. Nun mache ich in Celle eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und habe nebenbei Zeit, bewusst zu leben und zu schreiben. Aber so richtig gehöre ich noch nicht ins Arbeitsleben. Später möchte ich gerne in Hildesheim "Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus" studieren.

Das tue ich dagegen: Mir kam der Poetry-Slam wie gerufen. Inzwischen darf ich Celle bei Meisterschaften vertreten. Beim U20-Workshop habe ich Nachwuchspoeten aus Celle unterstützt. Die Jugendlichen konnten sich anfangs nicht vorstellen, ihre Texte auf der Bühne vorzutragen. Am Ende haben sich alle getraut. Hinterher hat es keiner bereut, über seinen Schatten zu springen.