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Celle Stadt Trio „Luft, Holz & Eisen“: Vitale Frische und langer Atem
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Trio „Luft, Holz & Eisen“: Vitale Frische und langer Atem
17:38 05.06.2012
Konzert des Ensembles. - (vl). Hans-Ulrich von der Fecht, Gisela Helms und Frederik Botthof. Quelle: Alex Sorokin
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Gisela Helms (Blockflöten), Hans-Ulrich von der Fecht (Cembalo) und Frederik Botthof (Violoncello) gerieten bei den ausgewählten Stücken unter anderem von Vivaldi und Telemann, Corelli und Veracini nie in Gefahr, in eine asketische Tongebung zu verfallen oder schwülstig zu wirken. Vielmehr schienen sie die barocken Tänze, Fantasien und Sonatensätze als Herausforderung zu sehen, sie aus der Perspektive unserer Zeit neu zu beleben. Dabei boten sie nicht nur ein hohes Maß an musikalischer Raffinesse und geschmeidiger Gestaltung, sondern bewiesen zudem eine ungemein vitale Frische und Liebe zur Musik, die das Publikum zunehmend begeisterte.

Virtuos, mit ausgeprägtem Sinn für Details und beseelt von Klang- und Ausdruckstiefe überzeugten sie solistisch, in wechselnden Duo-Besetzungen und als Trio mit einer gelungenen Mischung aus einerseits schlanker und differenzierter, andererseits intensiver und lustvoller Tongebung. In brillanter Artikulation und mitreißender Dynamik stellten sie dabei immer wieder die typisch barocken Verzierungen, aber auch den emotionalen Stil jener Zeit heraus, von den anmutigen Tonverästelungen in Bigaglias g-Moll-Sonate bis zum fantasievollen Farbsinn in Corellis „La Follia“.

Das Konzert lebte vom sprichwörtlich langen Atem barocker Tonsprache, deren Spannungsbogen dynamisch aufgebaut und leidenschaftlich ausgestaltet wurde. Mal in fragiler Zartheit, mal mit beschwingtem Temperament. Da konnte man – wenn man die Augen schloss – die galanten Tänzer mit ihren weiß gepuderten Perücken förmlich vor sich sehen, wie sie ihre reifberockten Damen lustvoll zum Tanz führten.

Von Rolf-Dieter Diehl