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Celle Stadt Tristesse statt Leidenschaft im Celler Sophien-Stift
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tristesse statt Leidenschaft im Celler Sophien-Stift
13:01 11.07.2014
Heinz-Werner Lehmanns - Vortrag im Sophien-Stift hielt nicht, was der Veranstalter versprochen hatte. Quelle: Alex Sorokin
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Doch Lehmann legte die Mosaiksteinchen nur emotionslos nebeneinander, statt diese zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen. Und den versprochenen Live-Gesang blieb der „Heldentenor“ dem Publikum durchgängig schuldig.

Die emotionale Tiefe und Vielschichtigkeit, womit der seinerzeit erst 26-jährige Mozart Erfahrungen wie Liebe, Eifersucht, Mut und Verzweiflung in seiner Musik auslotete, wurde einer leidenschaftslos vorgetragenen Inhaltsangabe geopfert. In dieser wiederum brachte Lehmann das Zerrbild der damals gänzlich fremden orientalischen Kultur nur unzulänglich zur Sprache, und damit auch die Probleme, mit denen wir uns heute noch herumschlagen: Vorurteile, alltäglicher Rassismus und soziale Unterschiede, die oft das Einzige sind, was am Ende kulturübergreifend gültig zu bleiben droht.

Erst nach 45 Minuten langatmigen Vortrags über die Oper im Allgemeinen und die von Mozart im Besonderen kam mit den ersten Tönen der Ouvertüre endlich Musik ins Spiel, in einer ebenso indiskutablen Tonqualität allerdings wie auch die nachfolgenden Ausschnitte von Arien und Duetten. Wie Hohn klang in dieser Tristesse die Arie „Welche Wonne, welche Lust“, die die vorzeitig gegangenen Zuhörer schon gar nicht mehr mitbekamen.

Von Rolf-Dieter Diehl