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Celle Stadt Tsellis“: Drei Burgen – aber wo war die Stadt?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tsellis“: Drei Burgen – aber wo war die Stadt?
14:39 23.11.2010
Von Michael Ende
Forschungsvorhaben zur Stadtwüstung Altencelle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

ALTENCELLE. Ihre Spaten, Spachtel und Pinsel haben die Göttinger Archäologen um Professor Dr. Karl-Heinz Willroth, die sich für die um 1292 bei Altencelle versunkene Stadt „Tsellis“ interessieren, in diesem Jahr im Spind gelassen, haben stattdessen Akten gewälzt und Berichte geschrieben. Im nächsten Frühjahr wollen sie raus ins Feld. In einem zunächst auf vier Jahre ausgelegten Forschungsvorhaben, für das sie jetzt Landes-Fördergelder in Höhe von 193000 Euro beantragt haben, wollen sie in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege eine Stadt entdecken, die die deutschlandweit bekannte Siedlung „Nienover“ nach ihrer Einschätzung weit in den Schatten stellen dürfte.

Der Boden in un um das heutige Altencelle sei eine wahre Fundgrube für Archäologen, sagt Dr. Cornelia Lohwasser, die das Projekt mitentwickelt hat. Seit etlichen Jahrzehnten habe man immer wieder sensationelle Einzelfunde gemacht – was fehle, sei der Gesamtüberblick: „Im Bereich des heutigen Altencelle drängen sich mehrere archäologisch bedeutende Fundstellen des frühen bis späten Mittelalters auf engstem Raum. Immer wieder fanden archäologische Untersuchungen statt, deren Dauer von oft mehreren Monaten, Größe und Anzahl in einem krassen Missverhältnis zu ihrer Veröffentlichung steht. Bis jetzt war es weder aus historischer noch aus archäologischer Sicht möglich, die Fundstellen in eine sichere chronologische Abfolge zu stellen und den Siedlungsgang schlüssig zu erhellen.“

Faszinierend sei, dass in Altencelle gleich drei Befestsigungsanlagen existiert hätten, so Lohwasser: „Über eine Strecke von nur 2,5 Kilometern liegen mindestens drei Burganlagen: der Burgwall bei Burg, die Nienburg und die so genannte Brunonenburg. Die Datierungen der Anlagen reichen vom Frühmittelalter bis in die frühe Neuzeit, wobei die Angaben widersprüchlich sind und meist auf Altgrabungen der 30er Jahre und der Zeit kurz nach dem II. Weltkrieg basieren.“ Des Weiteren seien bereits im 11. Jahrhundert zwei Kirchen belegt: die nicht erhaltene St. Peterskirche und die heute noch bestehende Gertrudenkirche, ijn deren Schatten 2007 und 2008 geforscht wurde. Dabei habe man vermutlich die Fläche einer Stadterweiterung entdeckt, so Bezirksarchäologe Jan-Joost Assendorp vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege: „Die ursprüngliche Stadt muss noch gefunden werden.“

„Selten sind wie hier alle Bestandteile einer hochmittelalterlichen Stadt vorhanden, Burg, Kirche, Siedlung und Markt, vermutlich auch ein Hafen“, freut sich Lohwasser. Hauptanliegen des geplanten Forschungsvorhabens ist die Klärung der zeitlichen Einordnung der bisher bekannten archäologischen Objekte und der Ausdehnung der Stadt.“ neben insgesamt fünf Einzelgrabungen, die im April oder Mai 2011 beginnen sollten, seien auch Begehungen der Umgebung, geomagnetische Untersuchungen, Bohrungen und Befragungen von Grundstückseigentümern, bei der es um eventuelle Funde gehen solle geplant: „Ich hoffe, die Altenceller unterstützen uns dabei.“

Dass das Land Niedersachsen das ambitionierte Projekt untzerstützt, davon gehen nicht nur die Archäologen, sondern auch „Neuencelles“ Stadtbaurat Matthias Hardinghaus aus: „Das jetzt anlaufende Projekt soll Basis für ein noch größeres Folgeprojekt sein, das wir mit der Deutschen Forschungsgesellschaft realisieren wollen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“