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Celle Stadt U20-Poetry Slam in Celle: Auf den letzten Drücker zum Sieg
Celle Aus der Stadt Celle Stadt U20-Poetry Slam in Celle: Auf den letzten Drücker zum Sieg
18:31 14.09.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Insgesamt 80 Zuschauer sahen das Ergebnis von mehr als vier Monaten harter Arbeit und den Abschluss der gemeinsamen Workshop-Zeit. Jeder Teilnehmer war dabei über sich selbst hinausgewachsen und hatte seinen eigenen Stil entwickelt. Von witzigen Kurzgeschichten über Einhörner und Yetis zur Kritik am Leistungsdruck der Gesellschaft und philosophischen Fragen über das Nichts – jeder Slammer erzählte seine ganz persönliche Geschichte. Die Texte bringen einen zum Lachen, machen wütend, traurig oder nachdenklich.

Eigentlich waren nur sieben Kandidaten angekündigt worden. Doch kurz vor dem Ende der Vorrunde fragte Moderatorin Jessy James LaFleur noch ein letztes Mal nach, ob wirklich niemand mehr auftreten wolle. Dann traute sich eine letzte Slammerin auf die Bühne. Zunächst wollte Laura Trautsch an diesem Abend gar nicht auftreten. Denn der Slam hatte schon begonnen, als sie sich hinsetzte und erst anfing zu schreiben. Doch der Text, den Laura schließlich auf der Bühne vortrug, ließ den ganzen Raum verstummen.

Laura erzählte von der dunkelsten Zeit ihres Lebens und dem Gefühl aus einem tiefen Abgrund wieder ins Leben zurückzukommen. Wie es ist, am Morgen aufzustehen und den Tag endlich so genießen zu können, als wäre es der letzte auf Erden. „Gestern war ich noch ein laues Lüftchen, heute bin ich der Wind und schon morgen bin ich der Sturm“, heißt es in ihrem Text. Als die 18-Jährige ihre letzten Sätze beendete, hatte sie alle zu tiefst berührt und bekam unter tosendem Beifall die Höchstpunktzahl des Abends. "Bis zum letzten Moment war ich mir unsicher, ob ich auf die Bühne gehen sollte oder nicht", erklärte die künftige Studentin später. Auch mit ihrem zweiten Text sorgte sie für ein ordentliches Gefühlschaos und setzte sich im Finale gegen ihre Kontrahenten Thilo Hancke und Jasmin Klünker durch. Als Siegerin wird sie Celle bei den kommenden U20-Landesmeisterschaften am 23. und 24. September vertreten.

Ursprünglich hatte der Workshop nichts mit den Landesmeisterschaften zu tun. "Es waren aber so viele talentierte Poetry Slammer im Workshop, dass wir gar nicht anders konnten, als einen von ihnen auszuwählen, um Celle zu vertreten", sagt Workshop-Leiterin Jessy James LaFleur.

Zusammen mit den jungen Leuten steckte die gebürtige Belgierin viel Herzblut in dieses Projekt. Für jeden der mit Zweifeln zu ihr kam, hatte sie ein offenes Ohr und korrigierte noch bis drei Uhr nachts Texte. "Anfangs saßen nur vier Leute vor mir, aber nach und nach kamen immer mehr. Zum Schluss waren wir 14 Slammer und sind zu einer großen Familie geworden", resümiert LaFleur.

Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Damit war für alle die Teilnahme am Workshop kostenlos. Mittlerweile hat Celle eine eigene Slam-Szene mit vielen jungen Talenten und keiner von ihnen möchte so schnell wieder mit Poetry Slam aufhören.

Von Lisa Felgendreff