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Celle Stadt Über 220 Teilnehmer beim Finale des Literaturfestes Niedersachsen in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Über 220 Teilnehmer beim Finale des Literaturfestes Niedersachsen in Celle
13:09 25.09.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle

Und auch die anderen einbezogenen Räume sind sonst nur bedingt für jedermann frei zugänglich. Das entsprach ganz den Absichten der Veranstalter, die das unter dem Titel „Stadt(t)räume“ stehende Finale nicht nur der literarischen Entdeckungsreise gewidmet hatten, sondern auch Räumen in Celle, die die Stadt durch ihre Architektur und/oder ihre Geschichte prägen.

Mehr als 220 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, auf zwei angebotenen Routen jeweils drei solcher (neuen) Räume kennenzulernen, sie zu entdecken, wahrzunehmen, zu durchschreiten und zu erleben. Und in Verbindung damit auch literarische Räume, „die sich zwischen den Buchdeckeln auftun und uns fremde Welten eröffnen“, wie es Susanne Mamzed, die Intendantin des Literaturfestes, bei einem vorangegangenen Pressegespräch formuliert hatte.

Die jeweiligen Texte waren dabei passend zum Ort gewählt. So las beispielsweise Ursula Krechel im Plenarsaal des Oberlandesgerichts aus ihrem Buchpreisprämierten Roman „Landgericht“, in dem sie am konkreten Beispiel des jüdischen Landgerichtsdirektors Kornitzer „das Elend der Emigration“ und die gescheiterte Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland beleuchtet. Das ganze Land stehe quasi dabei vor Gericht. „Ein Denkmal aus Sprache“, wie sie ihr Buch bei der Preisverleihung nannte.

Um „ein Zimmer im Hotel“ wiederum ging es dem Autor Davis Wagner in seinem gleichnamigen Buch, aus dem er im Hotel Fürstenhof las. Ein Buch, in dem „der Meister der poetischen Alltagsbeobachtung“ den Zuhörern Hotelzimmer beschrieb, „wie jeder sie kennt und so noch nie gesehen hat“.

„Interessante Räume, die eine Symbiose mit dem Thema und den vorgetragenen literarischen Texten eingingen, ermöglichten bei diesem Festival-Finale eine besondere Art der Literaturrezeption“, resümmierte Sabine Schormann, Direktorin der VGH-Stiftung.

Den Abschluss bildete ein Empfang der Veranstalter im Kunstmuseum Celle, bei dem es reichlich Gelegenheit zum tiefsinnigen oder auch vergnüglichen Gedankenaustausch gab, und bei dem das Jazzquartett „Sonic Art Group“ (mit den beiden Cellern Moritz Aring und Joschua Claassen) für den musikalischen Rahmen sorgte.

Von Rolf-Dieter Diehl