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Celle Stadt Über Leben und Schaffen Gottfried Silbermanns in Celle berichtet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Über Leben und Schaffen Gottfried Silbermanns in Celle berichtet
13:39 24.07.2017
Dieser originale Hammerflügel aus dem Jahr 1746 von Gottfried Silbermann steht im Konzertzimmer des Schlosses Sans-Souci in Potsdam. Quelle: Wikipedia
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Der kleine Veranstaltungsraum war am Sonntagnachmittag trotz Ferienzeit recht gut gefüllt. Kristine Schmidt-Köpf von der besagten Silbermanngesellschaft hielt einen gut halbstündigen Vortrag über das Leben und Schaffen Gottfried Silbermanns. Locker sprach sie, fast frei, leicht verständlich und mit Anekdoten garniert. So wurde der Lebensweg eines Instrumentenbauergenies, der zudem noch die seltene Gabe in dieser Branche hatte, sich auch gut verkaufen zu können, sehr anschaulich. Dass jemand, kaum aus der Lehre entlassen mit seiner zweiten Bewerbung um einen Auftrag, nämlich seinem Meisterwerk im Dom zu Freiberg, bei der Ausschreibung zum Bau dieser Orgel alle anderen durchaus auch namhaften Wettbewerber ausstach, obwohl er das mit Abstand teuerste Angebot unterbreitete, das sprach nicht nur für sein Können, sondern vor allem auch für sein Selbstbewusstsein. In Anbetracht der Tatsache, dass diese Orgel wie viele andere Orgeln von ihm noch heute zu den besterhaltenen historischen Instrumenten zählt, kann man heute sagen, dass Silbermanns Kalkulation eigentlich noch immer viel zu niedrig war, so eine weitere überraschende Aussage der Referentin. Silbermann soll aber laut Schmidt-Köpf seine vergleichsweise wenig rentablen Orgeln deshalb so anbieten gekonnt haben, weil er auch andere Tasteninstrumente wie Cembali der Clavichorde baute, die nicht so viel Arbeits- und Materialaufwand bedeuteten wie ein Orgelbau zu einem stolzen Preis zu verkaufen in der Lage war. So gab es offensichtlich schon zu Zeiten Bachs im Orgelbau eine moderne Mischkalkulation wie sie heute fast überall üblich ist.

In Ergänzung zum Vortrag gab es noch einen Film über Gottfried Silbermann, im dem sehr bild- und klangstark vermittelt wurde, was das Besondere dieser Orgeln ausmacht. In Kombination mit dem Vortrag war diese Veranstaltung ein glänzendes Plädoyer dafür, auch heute besser hochwertige und damit teure Orgeln zu bauen, die Jahrhunderte halten als günstigere Instrumente, denen es an der Qualität mangelt, viele Jahrzehnte ihren Dienst zu versehen. Gut, dass Kunerts Begeisterung für historische Orgeln und Tasteninstrumente weitere Workshops und Konzerte nach Celle bringen wird. Die nächsten am zweiten Septemberwochenende und dann wieder Mitte Januar 2018.

Von Reinald Hanke