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Celle Stadt Über Netzwerk Analphabeten erreichen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Über Netzwerk Analphabeten erreichen
13:19 13.09.2013
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Erhebungen über die Zahl der Analphabeten in Celle gibt es nicht. Um einen Schätzwert zu erhalten, lassen sich allerdings die Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Universität Hamburg auf die Residenzstadt herunterbrechen. Demnach könnte es in Celle etwa 2800 Menschen im erwerbstätigen Alter geben, die vom funktionalen Analphabetismus betroffen sind – also eine Schule besucht haben, aber Lesen und Schreiben nicht beherrschen.

Aus Sicht der SPD-Ratsfraktion ist eine hochentwickelte Volkswirtschaft ohne eine gut ausgebildete Gesellschaft nicht denkbar. Deshalb wollen die Sozialdemokraten die Zahl der Analphabeten in Celle verringern. Sie fordern, entsprechende Kurse für Erwachsene an qualifizierten Einrichtungen wie der VHS und in Zusammenarbeit mit Unternehmen und der Arbeitsagentur zu fördern.

Problematisch ist allerdings, die Zielgruppe auch zu erreichen. Wie Birgit Schwier-Fuchs von der VHS im Sozialausschuss deutlich machte, sei Mund-zu-Mund-Propaganda besonders wichtig. Aus diesem Grund organisierte die VHS gemeinsam mit dem Netzwerk Deutsch als Zweit- und Bildungssprache, Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz (DaZNet) kürzlich in der Celler Innenstadt das "Wortfest", um auf entsprechende Kursangebote aufmerksam zu machen.

Darüber hinaus bestehen weitere Hemmnisse: So gibt es aus Datenschutzgründen beispielsweise keine Informationen seitens der Arbeitsagentur über Analphabeten. Andere Betroffene, die berufstätig sind, wagen es nicht, an Kursen teilzunehmen – aus Angst ihren Job zu verlieren.

Bis vor sechs Jahren hatte die VHS Alphabetisierungskurse angeboten. Dann brach das Angebot ab. Jetzt geht die VHS das Thema wieder offensiv an und erhofft sich für ihre Kursangebote im Herbst Unterstützung von Multiplikatoren. Diese Kurse sind für die Teilnehmer kostenlos und werden über das Bundesprogramm "Toleranz fördern- Kompetenz stärken" gefördert. Allerdings laufen sie im Dezember aus. Die VHS will jedoch das Angebot aufrechterhalten. Denn der Erwerb der elementaren Kulturtechnik sei ein langwieriger Prozess, der Jahre dauere, so Schwier-Fuchs.

Stadtrat Stephan Kassel wies darauf hin, dass es an den Celler Grundschulen eine Förderung von Legasthenikern gebe und sich auch DaZNet engagiere. "Wir machen hier schon eine ganze Menge – und das seit Jahren", sagte er. Kassel regte an, Multiplikatoren zu schulen und ein Netzwerk von Institutionen aufzubauen. Hier könnte es eventuell ebenfalls Mittel aus dem Programm "Toleranz fördern- Kompetenz stärken" geben.