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Celle Stadt Überheim: „Ich bin bereit, Dinge anzufassen“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Überheim: „Ich bin bereit, Dinge anzufassen“
21:15 10.09.2017
Von Christoph Zimmer
Neben der Politik und der Familie widmet Ralf Überheim seinem Motorrad sehr viel Aufmerksamkeit. Wenn er auf den Straßen in der Natur unterwegs ist, ist das seine ganz große Freiheit. Quelle: Christoph Zimmer
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Dass er später einmal in den gleichen Farben für den Bundestag kandidieren würde, ahnte Ralf Überheim damals nicht, als er den früheren deutschen Außenminister und Vizekanzler Hans Dierich Genscher (FDP) in den 80ern als Personenschützer der Polizei bei einem Auftritt in Bonn begleitete. „Ich würde gerne behaupten, dass ich mich nach dieser Begegnung dazu entschieden habe, in die Politik zu gehen“, sagt Überheim mit einem Lächeln, „das hätte sich super in meiner politischen Biografie gemacht.“

Nach einem kurzen politischen Zwischenspiel in der CDU, für die er 2006 als Bürgermeister der Samtgemeinde Wathlingen kandidierte, entschied sich der 52 Jahre alte Überheim für die Liberalen, für die er seitdem im Rat der Gemeinde Nienhagen sowie im Samtgemeinderat von Wathlingen sitzt. Politisch fühle er sich dort heimisch. Warum? Ihm gefalle die Grundphilospphie, dass der Staat nicht alles regeln soll, sagt er. Solche Sätze kommen schnell und geschmeidig. „Die Menschen sollen sich doch frei entfalten können und dürfen nicht bevormundet werden.“ Der Staat müsse die Bürgerrechte schützen, aber er dürfe dabei nicht übers Ziel hinausschießen: Dieses liberale Credo treibt ihn bis heute an. Die Konservativen seien ihm manchmal zu sehr auf Ordnungspolitik bedacht, die Sozialdemokraten zu fürsorglich und die Grünen zu dogmatisch, sagt er.

Aufgabe des Staates sei es dann nur, die Rahmenbedingungen einer freiheitlichen Entfaltung des Einzelnen zu garantieren: Durch stabile Finanzen, durch eine kluge Außenpolitik oder zum Beispiel im Bildungssystem: „Wir haben heute ein vielfältiges und durchlässiges Bildungssystem, aber unsere Hochschulen sind drastisch unterfinanziert, und der akademische Nachwuchs wandert deshalb bereits ab.“

Als seine Eltern dem Ruhrpott den Rücken kehrten und "aufs platte Land" nach Ahnsbeck zogen, war Ralf Überheim 14 Jahre alt. „Das war ein positiver Kulturschock“, sagt der inzwischen selbstständige Zahntechnickermeister und Dozent für angehende Wirtschaftsfachwirte. Es sind das freundliche Grüßen auf der Straße und die Dorfgemeinschaft, die er auch in Papenhorst schätzt, wo er seit einigen Jahren mit seiner Frau Kerstin und den fünf gemeinsamen Kindern Chiara, Levin, Kian und Lennart lebt.

Nach 2009 ist es für Ralf Überheim bereits der zweite Versuch, in den Bundestag einzuziehen. „Ich bin bereit, die Dinge anzufassen“, betont er. Abseits der Politik widmet er sich neben der Familie seiner anderen großen Liebe – seinem Motorrad: „Wenn ich auf der Straße in der Natur bin, kann ich komplett abschalten. Das ist meine große Freiheit.“