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Celle Stadt Überschäumende Spielfreude in der Celler Congress Union
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Überschäumende Spielfreude in der Celler Congress Union
12:22 22.07.2014
Schulkonzert mit ehemaligen Schülern aus Anlass der Verabschiedung von Martin Knauer Quelle: Alex Sorokin
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Das war schon ein sehr ungewöhnliches Konzert, zu dem das Gymnasium Ernestinum in den fast voll besetzten Großen Saal der Congress Union eingeladen hatte. Anlass war nicht nur das alljährliche Sommerkonzert des Schulorchesters, sondern nach 38-jähriger Lehrtätigkeit auch die Verabschiedung seines langjährigen Leiters und Dirigenten Martin Knauer in den Ruhestand. Viele ehemalige Orchestermitglieder, von denen manche die Musik inzwischen zu ihrem Beruf gemacht haben, waren deshalb gekommen, um das Schulorchester instrumental zu verstärken. „Martin Knauer hat uns allen sehr viel geben können“, betonte deren Sprecherin, Julia Sikora.

Die Folge von so viel Begeisterung und Einsatz war ein in allen Instrumentengruppen üppig besetztes, großes Sinfonieorchester, das auf einem musikalischen Niveau zu musizieren verstand, wie man es sonst im schulischen Rahmen wohl nur schwerlich finden dürfte. Intonatorisch bestens vorbereitete Streicher mit exaktem Bogenstrich, exzellente Bläser mit sicherem Ansatz und ein präzise agierendes Schlagwerk sorgten auch in technisch schwierigen Passagen für transparenten Klang und in angemessenen Tempi für klare dynamische Abstufungen. Hinzu kam eine Programmzusammenstellung, die mit Werken von Christoph Willibald Gluck bis Paul Linke und von Ludwig van Beethoven über Alexander Glasunow, Joseph Haydn und George Bizet bis hin zu Heitor Villa-Lobos nicht nur hohe Anforderungen an die musikalische Flexibilität der Ausführenden stellte, sondern auch für einhellige Begeisterung im Publikum sorgte.

Ohne sichtbares Lampenfieber, dafür aber mit Selbstbewusstsein und sicherem Gespür für Tempo und dynamische Steigerungen gestaltete das Orchester zu Beginn Glucks Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis“. Sicherheit und technisches Können mit perlenden Läufen und mit klangvollem Spiel auch in den hohen Lagen vermittelte anschließend, vom Orchester sicher begleitet, die Abiturientin Marielle Heide mit Beethovens berühmter F-Dur-Romanze op.50 für Violine und Orchester. Leicht verspielt und einfühlsam musiziert mit Bläsern, die eine besondere Anerkennung durchaus verdienen, gab sich danach die Ballettmusik zu „Die Jahreszeiten“ von Alexander Glasunow. Einen besonderen Höhepunkt bildete vor der Pause Joseph Haydns Sinfonia concertante B-Dur mit den Solisten Bettina Knauer (Violine), Nicolas Wallach (Oboe), Beate von Rüdiger (Fagott) und Georg Knauer (Violoncello). Eine glänzende Leistung aller Beteiligten.

Überschäumende Spielfreude vermittelten im zweiten Teil die Orchestersuite aus der Oper Carmen von George Bizet und die brasilianisch inspirierte Toccata aus den Bachianas Brasileiras Nr.3 von Heitor Villa-Lobos. Den wirkungsvollen Abschluss bildete das Paul-Linke-Potpourrie „Freut Euch des Lebens“. Tolle Leistungen der jungen Ernestiner und derer, die es einmal waren. Begeisterten und langanhaltenden Beifall gab es deshalb am Schluss.

Von Hartmut Jakubowsky