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Celle Stadt Umfrage zum Weltkindertag: Wenn ich König von Celle wär' ...
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Umfrage zum Weltkindertag: Wenn ich König von Celle wär' ...
14:34 20.09.2017
Von Christian Link
Die dreijährige Anna wäre eine stille, aber gerechter Herrscherin von Celle. Ihren Untertanen würde sie immerhin Eis spendieren. Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Wenn ich König von Celle wär' ...

.. würde ich sagen, dass Celle neue Häuser bauen soll und die alten, die schrottig sind, abreißen.“ Damon Struck (9) aus Celle

„... würde ich sagen, dass es Frieden geben soll – und keine blöden Dinge mehr wie Klauen oder so.“ Clemens Swickis (9) aus Westercelle

„... würde ich die Stadt Celle weiterentwickeln, damit hier mehr Einwohner wohnen.“ Kiarash Alirezdi (12) aus Celle

"... würde ich mir mehr Eis für die Menschen wünschen." Anna H. (3) aus Bostel

„... würde ich morgens ausschlafen dürfen.“ Sophie Albers (5) aus Sülze

"... würde ich für ganz viel Obst und Gemüse sorgen." Greta Swickis (7) aus Westercelle

„... würde ich dafür sorgen, dass man kostenlos ins Schwimmbad gehen kann.“ Lennard Jantze (5) aus Celle

„... würde ich mir mehr Spielplätze in Altenhagen wünschen.“ Tilda Dürwald (2) und Mutter Julia aus Altenhagen

„... würde ich dafür sorgen, dass alle Menschen zu trinken und zu essen haben. Und dass sie es gemütlich haben und sich wohlfühlen.“ Paul Timme (7) aus Hassel

„... würde ich mir wünschen, dass es weniger Hausaufgaben gibt. Aber dafür schwerere Englisch-Aufgaben.“ Emily Vaughan (7) aus Celle

„... würde ich dafür sorgen, dass alle glücklich und zufrieden sind in Celle – und überall.“ Mariella Phillips (7) aus Celle

„... würde ich dafür sorgen, dass es jedem Kind gut geht.“ Lukas Lukaszczyk (7) aus Celle

„... würde ich alles kaufen.“ Jason Robin Justus (10) aus Celle

"Streit mag ich gar nicht"

Neben der CZ fragten auch Carola Pehlke und Simone Heegmann-Loof von der Kita Altenhagen, was sich die Celler Kinder wünschen würden, wenn sie über die Stadt regieren dürften. Hier einige königlichen Erlasse:

Lenny (4): „Was wünscht sich mein Volk? Kindercafé, autofreie Innenstadt, mehr Kindergartenplätze!“

Jan (5): „Ich möchte, dass alle Menschen Essen haben, es soll ihnen gut gehen!“

Natalie (8): „Menschen sollen sich gegenseitig nicht beleidigen. Die Natur achten. Keine Streitigkeiten.“

Inken (8): „Ich wünsche mir weniger Baustellen. Es soll schneller gearbeitet werden. Wir müssen die Umwelt beachten!“

Chantal (11): „Ich wünsche mir fröhliche Feste in Celle.“

Inken (8): „In anderen Ländern soll Frieden sein. Streit mag ich gar nicht.“

Emma (6): „Ich brauche ein Volk, es darf sich wünschen: Abenteuerspielplätze, schöne Erlebnisse.“

Chantal (11): „Die Leute brauchen Geld, damit sie nicht betteln müssen.“

Mehr Mitbestimmung in eigenen Belangen gefordert

Wenn es um ihre Belange geht, haben eigentlich alle Kinder das Recht auf Mitbestimmung. So steht es zumindest in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, doch im täglichen Leben sieht es häufig anders aus. Denn viele Mädchen und Jungen wissen gar nicht, was sie eigentlich alles dürfen und einfordern können. Oder sie werden von Erwachsenen nicht ernst genommen. Zum heutigen Weltkindertag (20. September) drängen Unicef und das Deutsche Kinderhilfswerk deswegen auf mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder. Der bundesweite Aktionstag steht unter dem Motto: "Kindern eine Stimme!"

In Celle waren die Kinderschützer bereits am Samstag aktiv. Zusammen mit Kindertagesstätten aus dem Stadtgebiet und dem städtischen Jugenddezernat haben sie mit vielen hundert Besuchern ein Familienfest für Kinderrechte auf dem Brandplatz gefeiert. "Die Partizipation von Kindern ist auch ein streitbares Thema. Manche Eltern mag das stören und auch in Kitas ist es einfacher, ohne Kinder zu entscheiden", sagt Organisatorin Marion Buß von der städtischen Fachberatung von Kindertagesstätten. Doch Erwachsene würden nicht immer wissen, was das Beste für den Nachwuchs ist. Buß: "Jedes Kind hat das Recht, an den eigenen Anliegen beteiligt zu werden."

Das Familienfest sollte deswegen nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen über die Kinderrechte aufklären. "So eine öffentliche Veranstaltung ist auch ein Teil der Familienbildung", sagt Buß. An jeder der zehn Stationen wurde jeweils ein Kinderrecht ausführlich erklärt – vom Recht auf Gesundheit über das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung bis hin zum Recht auf ein sicheres Zuhause.

Wer eine Celler Kita besucht, hat sogar das Recht, sich zu beschweren. "Seit 2015 beschäftigen wir uns mit dem Beschwerderecht von Kindern in Kitas", erläutert Buß. Die Mädchen und Jungen dürfen Aktionen bewerten und sagen, was ihnen gefällt oder nicht. "Wichtig ist, dass die Fachkräfte die Signale der Kinder deuten und aufnehmen", sagt Buß. Weil sich nicht alle Kinder verbal äußern können, müssten die Erzieherinnen auf andere Anzeichen achten. Das Mitbestimmungsrecht bezeichnet Buß als "die früheste Demokratiebildung, die man sich vorstellen kann". Damit das funktioniert, müssten die Kinder aber auch ernst genommen werden.

Wenn es nach dem Kinderschutzbund Niedersachsen geht, sollen sich Kinder und Jugendliche auf kommunaler Ebene mehr einbringen können – etwa durch Kinder- und Jugendeinwohnerversammlungen. „Wenn junge Menschen nicht mehr für das gesellschaftliche Miteinander angesprochen werden können, haben wir ein echtes Problem", mahnt der niedersächsische Kinderschutz-Landesvorsitzende Johannes Schmidt.

"Politik wird besser, wenn wir die Kinder fragen", sagt auch der deutsche Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider. Er beruft sich auf Umfrageergebnisse, wonach sich die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland gerne in ihren Städten und Gemeinden politisch einbringen will.

"Leider werden die Interessen und Rechte von Kindern noch nicht überall in Deutschland ausreichend beachtet“, sagte gestern auch Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) und schloss sich der Forderung an, die Kinderrechte endlich im Grundgesetz zu verankern. "Die Bundesregierung hat die UN-Kinderrechtskonvention 1992 unterschrieben, aber bis heute noch nicht umgesetzt", kritisiert Silvia Seibel vom Celler Kinderschutzbund.