Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Ums Wohl der Kinder
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ums Wohl der Kinder
23:27 03.08.2010
Von Klaus Frieling
Celle Stadt

Viel zu oft ist von Männern die Rede, die ein Kind in die Welt setzen, dann aber nichts mehr mit ihrem Nachwuchs zu tun haben wollen. Für Mutter und Kind oft eine bittere, tragische Geschichte. Bitter war es bislang aber auch für diejenigen Väter, die Verantwortung für ihr Kind übernehmen wollten – wenn sie denn nicht mit der Mutter verheiratet waren, hingen Sorge- und Mitspracherecht allein vom Wohlwollen der Frau ab.

In keinen anderen Land der Europäischen Union waren ledige Väter so rechtlos wie bei uns. Bislang. Das Bundesverfassungsgericht hat nun dafür gesorgt, dass das nicht so bleibt. Die Karlsruher Richter stellten gestern klar, dass der Nachwuchs auch in Deutschland ein Recht auf beide hat – auf Mutter und Vater, auch wenn die sich vielleicht nichts mehr zu sagen haben.

Neben ihrer Mama brauchen Kinder eben auch den Papa, um sich gedeihlich entwickeln zu können. Den Kinder-Rechten wurde damit quasi Verfassungsrang eingeräumt, auch wenn sie bisher nicht ausdrücklich im Grundgesetz aufgeführt sind.

Bleibt zu wünschen, dass die Politik nun Wege findet, eine befürchtete Lawine von Sorgerechts-Prozessen zu vermeiden. Das Familienrecht muss neu geschrieben werden: Warum bekommen nicht grundsätzlich beide Elternteile Sorgerecht? In unserer Gesellschaft, in der familiärer Zusammenhalt nicht mehr selbstverständlich ist, wären die Richter nur bei Gefährdung des Kindeswohls gefordert.

Auch wenn sich die CSU gleich nach Bekanntwerden der Karlsruher Entscheidung um die „Institution Ehe" sorgte: Es geht nicht um ideologische Betonierung tradierter Rollenverhältnisse, sondern ums Wohl der Kinder – gerade auch derer mit zwei unterschiedlichen elterlichen Adressen.