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Celle Stadt Umweltminister wird Schirmherr von "Celle blüht auf"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Umweltminister wird Schirmherr von "Celle blüht auf"
16:11 21.09.2018
Von Michael Ende
Quelle: CZ
Celle Stadt

Das Niedersächsische Umweltministerium hat jetzt eine Kampagne gegen das Insektensterben gestartet. Unter dem Motto „Kein Sommer ohne Summen! Flower Power für Wildbiene, Hummel und Co.", stellte Lies Einzelheiten der Kampagne vor. So solle ein Aktionsprogramm zur Förderung der Insektenvielfalt entwickelt werden: "Dies fasst landesweite Handlungsansätze und Förderprogramme wie das Blühstreifenprogramm unter einem Dach zusammen." Es ergänze die Schutzprogramme zu Moor- und Gewässerlandschaften."

Lies verkündete den Start eines Sofortprogramms zur Rückgewinnung und Entwicklung öffentlicher Wegraine als Lebens- und Rückzugsraum für Insekten: "Es gibt mehr Flächen an Wegrainen als es landesweit Naturschutzgebiete gibt. Wenn wir unsere Wegränder mehr zum Blühen bringen würden, könnten wir ein buntes Netz über das gesamte Land legen." An dieser Kampagne, die sofort starten solle, sollten sich neben dem Land auch Kreise und Kommunen beteiligen: "Wir wollen so viel wie möglich mitnehmen."

Lies unterstrich die "Schlüsselfunktion" von Insekten in natürlichen Nahrungsketten: "Sie sind Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von anderen Arten wie zum Beispiel Fischen, Amphibien, Fledermäusen und auch Wiesenvögeln. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Insekten drastisch reduziert. Allein in Deutschland gelten mehr als die Hälfte der fast 600 Wildbienenarten als gefährdet. Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind gravierend." Mit dem Aktionsprogramm und der Kampagne wolle das Land einen Beitrag dazu leisten, die Vielfalt der Insekten zu fördern: "Intakte blühende Wegstreifen und Feldränder können für heimische Tiere und Insekten Nahrungsquelle, Wohn- und Nistplatz, Schutz und Rückzugsraum sein. In den letzten Jahrzehnten sind viele dieser natürlichen Blühstreifen jedoch verschwunden. Unser Ziel ist es, verloren gegangene Wegeraine zurückzugewinnen und die Entwicklung dieser besonderen Landschafts- und Naturräume für Pflanzen und Insekten zu fördern."

Das Thema Artenschutz treibe ihn persönlich um, sagte Lies: "Es erstaunt mich, dass ich als Umweltminister im Jahr 2018 sagen muss, dass wir gar nicht genau wissen, was da eigentlich vor sich geht." Die Nachricht, dass die Insekten-Biomasse um 70 Prozent verringert habe, habe auch ihn im vergangenen Jahr betroffen gemacht: "Wir wollen mit einem umfangreichen Monitoring-Programm herausfinden, woran das liegt. Und wir wollen vor allem eine Trendwende einleiten."

Lies sagte, dass die CZ-Aktion "Celle blüht auf" einer von vielen nötigen Bausteinen sei. "Es freut mich, dass hier eine Zeitung zusammen mit ihren Lesern nicht nur berichtet, analysiert und diskutiert, was es mit dem Artenschwund auf sich hat, sondern dass die Celler auch aktiv etwas tun und anpacken. So wird das was." Ähnlich wolle das Land auch die Grundlagen des Artensterbens erforschen und gleichzeitig Aktionen dagegen in die Wege leiten und – "wie im Fall von Celle blüht auf" – unterstützen. Lies: „Wir dürfen nicht länger die Augen verschließen. Insekten verlieren Lebensraum und Nahrungsquellen. Dagegen müssen wir was tun."

Aktiv könne man sogar durch Nichtstun werden, sagte Lies, der sich energisch gegen den omnipräsenten "Mäh-Wahn" aussprach: "Bei uns werden zum Teil sogar die Ränder von Waldwegen gemäht – warum eigentlich? Was soll das? Nur damit es ordentlich aussieht? Und diesen Wahnsinn toppen wir noch privat bei uns zu Hause, wenn wir Tag und Nacht auf dem Rasen den Mähroboter laufen lassen." Dabei sollte man sich über bunt blühende Wegesränder freuen: "Und das Nicht-Mähen spart sogar Geld."