Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Ungewisse Zukunft für Wasserturm
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ungewisse Zukunft für Wasserturm
17:47 25.08.2010
Wasserturm von Celle Abrisskandidat Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Er ist 110 Jahre alt, wurde dereinst am höchsten Punkt Celles errichtet und zählt für viele Residenzstädter durchaus zu den Wahrzeichen ihrer Heimat – der Wasserturm. Seit 2007 ist der Turm nur noch eine leere Hülle und wird nicht mehr zu seinem ursprünglichen Zweck eingesetzt. Grund genug für Benno Hermann (Name geändert), sich über die mögliche Zukunft des Bauwerkes Gedanken zu machen und Nachforschungen anzustellen.

„Ich habe das Gefühl, die Stadt will bei dem Wasserturm stillschweigend vollendete Tatsachen schaffen“, so Hermann. „Viele Anzeichen deuten auf einen Abriss hin.“ Tatsächlich kann die Stadt nicht über die Immobilie verfügen, wie Stadtpressesprecher Wolfgang Fischer bestätigt. „Der Wasserturm ist Eigentum der Stadtwerke. Dort laufen auch die Pachtverträge über angebrachte Funkantennen. Somit liegt es nicht in unserer Gewalt, über die Zukunft des Bauwerkes zu entscheiden. Ein Abriss dürfte allerdings teuer werden. Vielleicht kann man ihn ja vermieten.“

Was die Mietverträge der Antennenanlagen angeht, hat Hermann von am Verfahren beteiligten Kontakten erfahren, dass sie zum Ende des Jahres fristgerecht gekündigt wurden. Hermann: „Warum sollten die Stadtwerke auf Mieteinnahmen vom Turm verzichten wollen, wenn sie nicht schon sehr bald etwas anderes damit planen?“ Noch eine Information aus Insider-Kreisen habe ihn aufhorchen lassen. Nachdem ein Sturm im Jahr 1997 die Metallverkleidung des Turmes beschädigt hatte, sei ein Gutachten über die gesamte Bausubstanz erstellt worden. „In diesem Gutachten gibt es zwei Optionen“, weiß Hermann. „Entweder der Turm wird von Grund auf saniert oder er muss abgerissen werden. Die Kosten für beide Varianten dürften in die Millionen gehen.“

Peter Lührs, Geschäftsführer der Stadtwerke, will sich nicht festlegen. „Natürlich überlegt man sich als Eigentümer, was man mit dem Turm macht.“ Zu den Funkantennen auf dem Bauwerk bestätigt er: „Es werden Gespräche mit den Nutzern geführt, wie es weitergeht.“ Letztlich seien die Stadtwerke ein Unternehmen und daher stünden auch finanzielle Aspekte im Raum. Lührs: „Es sind mehrere Alternativen abzuwägen. Für uns wird entscheidend sein, welche die wirtschaftlichste ist. Aus meiner Sicht besteht kein Grund zur Panik. Abriss ist tatsächlich eine der Möglichkeiten, ob das am Ende realistisch ist, wird man sehen.“

Unterdessen hat Hermann bereits beim Landesamt für Denkmalschutz angefragt, ob der Turm nicht schützenswert sei. „Dort hieß es aber, aufgrund der baulichen Veränderungen in den 60er-Jahren komme das nicht infrage. Für mich ist das unverständlich, denn obwohl an der Verkleidung etwas gemacht wurde, war der Turm 107 Jahre im Dienst. Anderswo gibt es bereits Industriedenkmäler, die längst nicht eine so lange und reichhaltige Geschichte aufweisen wie unser Wasserturm.“

Von Björn Schlüter