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Celle Stadt Unter Trennung und Scheidung leiden vor allem die Kinder
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Unter Trennung und Scheidung leiden vor allem die Kinder
11:09 30.09.2013
Wenn sich die Eltern nur noch streiten, ist es besser, dass sie getrennte Wege gehen. Die Kinder leiden auch nach einer Trennung der Eltern Quelle: Silvia Marks
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Schon im Ansatz könnte Mediation hier eine friedlich-konstruktive Lösung bieten.

Außergerichtlich bietet unter anderem der Allgemeine Sozialdienst der Stadt Celle, die Trennungs- und Scheidungsberatung des Landkreises Celle (in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt) oder die Erziehungsberatungsstelle des Landkreises (auch für die Stadt Celle zuständig) Möglichkeiten, im Rahmen einer Mediation Lösungen zu erarbeiten, bei denen die Verletzung aller Beteiligten so gering wie möglich bleibt. Vor allem wenn Kinder von einer Trennung betroffen sind, ergreifen Eltern immer öfter diese Chance.

„Wir entscheiden hier nichts“, macht Anja Werner, Mediatorin der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises Celle deutlich, „der Prozess der Entscheidung liegt bei den Eltern. Unser Part ist es, in deutlich neutraler Position für eine Gesprächssituation zu sorgen, in der die Parteien Gründe, Vorstellungen und Bedürfnisse darlegen, sich reden lassen und zuhören – ohne emotionale Eskalation.“ Hier haben die Erwachsenen Zeit, Lösungsoptionen gemeinsam zu erarbeitet. Zwischen zwei und acht Gesprächsterminen kann so eine Lösung dauern (der „Bedarf“ und die Komplexität der Probleme sind entscheidend). Lediglich wenn im Rahmen der Auseinandersetzung die Belange des Kindes vergessen werden, interveniert die Mediatorin .

Während einer Mediation ruhen eventuelle anwaltliche Auseinandersetzungen – das ist Voraussetzung. Das gilt ebenso für anhängige gerichtliche Verfahren. Ein Richter kann nach Akteneinsicht den Fall für „mediationsgeeignet“ halten, und ihn an einen Mediator am Gericht übergeben – etwa an Eva Moll-Vogel (Mediatorin und Richterin am OLG). „Alle Beteiligten müssen mit dem Versuch einer gütlichen Einigung einverstanden sein. Dann setze ich einen Termin fest. Ich sehe mich als Gesprächsleiter, der eine gewisse Struktur einbringt, etwa für eine ausgeglichene Gesprächszeit sorgt. Ganz bewusst mache ich nie Lösungsvorschläge, das führt sehr schnell zu gefühlter Parteilichkeit. Ziel ist es nicht nur ein konstruktives Gespräch zu stützen, sondern auch Verständnis und Akzeptanz für die Belange und Sichtweisen des anderen zu entwickeln.“

Bevor der Rechtsstreit vor einem Richter landet, haben auch Anwälte die Möglichkeit, an einer außergerichtlichen Einigung der Parteien mitzuarbeiten. Gabriele Arndt ist Familienanwältin in Celle und Mediatorin. „Die Betroffenen müssen sich schon vor dem ersten Termin entscheiden, ob sie eine Mediation versuchen möchten. Denn dann stehe ich als Rechtsberater keiner der beiden Parteien zur Verfügung – auch nicht, wenn die Mediation scheitert“, da ist sie konsequent. „Mediation basiert auf Vertrauensaufbau, Neutralität und Selbstbestimmung. Wenn nach Gesprächen eine einvernehmliche Klärung gefunden und vielleicht sogar schriftlich festgelegt worden ist, dann haben sie das selbst erarbeitet, da gibt es keinen Gewinner und Verlierer, nur eine gewonnene Lösung. Ich kann nur Anwalt oder Mediator sein.“ (dhe)

Von Doris Hennies