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Celle Stadt Untere Allerniederung: Streit um Celler Naturschutzgebiet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Untere Allerniederung: Streit um Celler Naturschutzgebiet
17:51 05.03.2015
Von Michael Ende
Gassigehen entlang auf Wegen am künstlichen Aller-Totarm: Das wäre nach dem derzeitigen Stand der Planungen im zukünftigen Naturschutzgebiet bei Klein Hehlen auch künftig möglich - aber nicht überall. Quelle: Alex Sorokin
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Manchmal geht es in der Natur paradox zu. Als vor einem Jahrzehnt im Zuge des Hochwasserschutzes mit einem Großaufgebot von technischem Gerät der künstliche Allerarm südlich von Klein Hehlen geschaffen wurde, empfanden das manche als schlimmen Eingriff in die Natur. Heute will die Stadt die ehemalige Großbaustelle unter Naturschutz stellen. Dann dürfen dort, wo einst Bulldozer die Natur planierten, nicht einmal mehr Fußgänger unterwegs sein. Am Unverständnis und der Ablehnung vieler Menschen, die von dem geplanten Naturschutzgebiet Untere Allerniederung zwischen Boye und Klein Hehlen betroffen sein werden, änderte sich auch in der jüngsten Sitzung des städtischen Umweltausschusses nichts.

Nach dem Abschluss des Hochwasserschutzes im Bereich Boye und Klein Hehlen gelte es nun, die von der FFH-Richtlinie geforderten Lebensraumfunktionen verbindlich durch eine Schutzverordnung zu sichern. Die sei nicht durch Einrichtung eines Landschaftsschutzgebiets, sondern nur durch ein Naturschutzgebiet möglich, erläuterte Stadtbaurat Ulrich Kinder: „Östlich der Stadt funktioniert das, was wir hier anstreben, im Naturschutzgebiet Obere Allerniederung bereits sehr gut.“ Die Stadt sei den Bedürfnissen von Anliegern und Spaziergängern – auch jenen mit Hunden – entgegen gekommen, indem man das geplante Naturschutzgebiet verkleinert und die frei betretbaren Flächen und Wege ausgeweitet habe, so Kinder. Die notwendigen Einschränkungen seien keinesfalls frei verhandelbar, sondern basierten auf gesetzlichen Verpflichtungen, denen die Stadt nachkommen müsse. So müsse auch das FFH-geschützte Ufer der Aller in Zukunft für Menschen größtenteils tabu sein.

Heiko Gevers (CDU) sagte, er fühle sich „verschaukelt“, weil es seinerzeit bei der Einrichtung des FFH-Gebiets geheißen habe, dass damit keinerlei Einschränkungen für die Bevölkerung verbunden seien. Es gehe nicht um das Ob, sondern um das Wie einer Unterschutzstellung der Allerniederung, so Gevers. Er favorisiere ein Landschaftsschutzgebiet mit bis zu einem Dutzend Naturschutzgebiet-Einsprengseln in besonders schützenswerten Arealen: „Hier scheint es doch wohl Handlungsspielraum zu geben.“ Klaus Didschies (CDU): „Ich sehe das so wie Landrat Klaus Wiswe: Nur so viel Naturschutz wie unbedingt nötig.“

Die Spielräume seien bereits im Sinne der Menschen ausgereizt worden, stellte der städtische Umweltschutz-Fachdienstleiter Lothar Sander klar. Weniger Naturschutz als geplant werde nicht funktionieren: „Und so lange mir keiner beweist, dass Fischotter und Biber gerne zusammen mit Mensch in der Aller plantschen, müssen wir das regulieren.“ Gevers kontere: „Die Fischotter sind doch jetzt schon da - auch mit plantschenden Menschen und Hunden.“ Die CDU werde den Vorschlägen der Verwaltung nicht zustimmen. Gevers plädierte dafür, das Thema noch einmal in einer Sondersitzung zu vertiefen. Diesem Vorschlag folgte der Ausschuss.

„Man darf Naturschutz nicht allein von den Interessen der Menschen her formulierten“, sagte Bernd Zobel (Grüne). Der Kreisnaturschutzbeauftragte Eckehard Bühring gab etwas zu Bedenken, was bisher zu kurz gekommen sein könnte: „Es muss nicht immer alles nur menschlichen Bedürfnissen dienen. Ab und zu muss der Mensch sich auch mal zurücknehmen.“