Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Veranstaltungsreihe in Celle zum 350. Geburtstag von Sophie Dorothea
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Veranstaltungsreihe in Celle zum 350. Geburtstag von Sophie Dorothea
17:54 07.04.2016
Lesung Sophie Dorothea Quelle: Susanne Harbott
Celle Stadt

Die Tochter des letzten Celler Herzogpaares, Sophie Dorothea, nimmt, nicht nur ihres Standes wegen, einen ganz besonderen Platz in der europäischen Geschichte ein. Ihr skandalumwobenes Leben – emotionale Verwicklungen, die nach gesellschaftlichem Aufstieg zum persönlichen Fall und lebenslanger Festsetzung unter Aufsicht führten – dienen Autoren und Dichtern seit vielen Jahrzehnten als Vorlage für literarische Werke.

„Heute wäre Sophie Dorothea und ihr Auflehnen gegen die höfischen Regeln Lieblingsthema der Boulevard-Presse und das Scheitern ihrer „Promi-Ehe“ brächte sensationelle Schlagzeilen“, sagt Kathleen Biercamp. Die Kunsthistorikerin beleuchtete, mit ihrem Referat über arrangierte Ehen einen wichtigen Aspekt aus dem Leben der unglücklichen Herzogin. „Und das wünschen wir uns für die gesamte Jubiläums-Veranstaltungsreihe“, so die Leiterin des Residenzmuseums, Juliane Schmieglitz-Otten. „Entdecken Sie die Frau und die Orte, die ihr Leben mitbestimmten, neu und feiern Sie mit uns gemeinsam.“

Aber wer ist nun die Frau, die einen so exponierten Platz in der Chronik der Welfen einnimmt? Schon als Kind galt Sophie Dorothea, Tochter des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, als überaus gute Partie. Sie war gerade acht Jahre alt, als sich der erste Bewerber bei ihrem Vater vorstellte. Denn eine Heirat hatte zu dieser Zeit, vor allem in Adelskreisen, kaum etwas mit Zuneigung zu tun. Vielmehr ging es um eine „standesgemäße“ Verbindung, die die gesellschaftliche Position ebenso sichern sollte wie einen angemessenen Lebensstandard. Dementsprechend arrangierte Ehen waren ganz normal. Auch Sophie Dorothea wurde als Fünfzehnjährige aus politischen Gründen mit ihrem ungeliebten Cousin Georg Ludwig aus Hannover verheiratet. Und damit nahm das Schicksal seinen Lauf.

Gefangen in einer immer unerträglicher werdenden Ehe verlor sich die impulsive Sophie Dorothea in Wunschträume, deren Erfüllung der lebenslustige schwedische Graf Phillip Christoph von Königsmark zu sein schien. In ihrer Schwärmerei ließ die junge Adlige und zweifache Mutter alle Vorsicht außer Acht. Schließlich hatte ihr uninteressierter Gatte schon längst eine Geliebte. Nach vier Jahren kam die Affäre heraus. Der Liebhaber wurde ermordet. Sophie Dorothea wurde wegen „böslichen Verlassens“ schuldig geschieden und zur Strafe für den Rest ihres Lebens, getrennt von ihren Kindern, auf den Amtssitz nach Ahlden verbannt.

Viele Fragen zum Schicksal des „Geburtstagskindes“ bleiben offen. Etwa: Warum war dem Vater das Glück seiner Tochter so wenig wert, wo er doch selbst mit Eléonore d´Olbreuse den steinigen Weg einer unstandesgemäßen Liebesheirat gewählt und beschritten hatte? „Gerade hinter diese Fragen wollen wir mit unseren Veranstaltungen ein bisschen Licht bringen“, erklärt Juliane Schmieglitz-Otten. „Die Menschen sollen sich Gedanken um diese so facettenreiche Frau und ihre Geschichte machen. Und wir freuen uns über hoffentlich großes Interesse!“

Von Doris Hennies