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Celle Stadt Verbundenheit mit Kirche nimmt ab - Celler Gläubige suchen nach Lösungen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Verbundenheit mit Kirche nimmt ab - Celler Gläubige suchen nach Lösungen
14:59 08.05.2014
Von Oliver Gatz
Landessuperintendent Dieter Rathing Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

Die evangelische Kirche steckt in einem Dilemma: Zwar steigt das Engagement der noch aktiven Mitglieder. Sie sind bewusster in der Kirche. Doch die die Zahl derjenigen, die sich nicht aktiv am Kirchenleben beteiligen und die Gottesdienste besuchen, wird immer größer.

"Die Schere geht auseinander. Der mittlere Bereich – die Unentschiedenen – wird immer kleiner", stellte Landessuperintendent Dieter Rathing bei der Sitzung des Kirchenkreistages Celle am Mittwoch im Urbanus-Rhegius-Haus fest. Vor rund 60 Vertretern aus den Kirchengemeinden erläuterte er repräsentatives Datenmaterial aus der jüngsten EKD-Untersuchung zur Kirchenmitgliedschaft. Tenor: Über die Generationen hinweg gibt es eine kontinuierliche Abnahme der Kirchenverbundenheit und Religiösität. Die Distanz zur Kirche ist bei jungen Leuten besonders groß. Rund ein Fünftel der 14- bis 21-Jährigen ist fest entschlossen, aus der Kirche auszutreten, heißt es in der Untersuchung.

Wie soll die Kirche auf diese Entwicklung, die einhergeht mit sinkenden Mitgliederzahlen, reagieren? "Wir werden vor allem über Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Beerdigungen wahrgenommen", führte Rathing aus. Deshalb sei die Gestaltung dieser Gottesdienste aller Mühe wert. Dabei stünden Familiengottesdienste in der Gunst der Gläubigen ganz vorn.

Weiter lässt sich aus der Studie ablesen, dass religiöse Themen hauptsächlich in der Familie oder im Freundeskreis behandelt werden – nicht in der Kirche, an der Arbeitsstelle oder im Internet. Auch hier sieht Rathing Ansätze, um Menschen zu erreichen.

„Persönliche Kontakte und Begegnungen suchen und schaffen: Darauf kommt es sehr stark an", empfahl der Landessuperintendent. "Wenden wir unserer Ressourcen nicht zu sehr auf, um das zu bespielen, was im Gemeindehaus passiert." Die kirchliche Arbeit sollte sich verstärkt Familien, Eltern oder Kindergärten widmen – und denjenigen, die noch nichts von Jesus Christus gehört haben.

Nicht jeder schloss sich dieser Sichtweise an. Man dürfe nicht diejenigen vergessen, die sich im Gemeindehaus blicken ließen, um wenigstens sie in der Kirche zu halten, hieß es. Außerdem wurde die Forderung nach mehr Pastoren in der Fläche laut. "Wir haben keine Pastoren", antwortet Rathing. Seinen Angaben zufolge werden ab 2017 nicht mehr alle Pfarrstellen besetzt.