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Celle Stadt Vergessene Künstler der Weimarer Republik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vergessene Künstler der Weimarer Republik
15:29 11.10.2018
Søren Thies unterhielt und informierte sein Publikum gleichermaßen mit Liedern und Geschichten aus den Jahren der Weimarer Republik. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

„Die Welt ist klein geworden“, singt Søren Thies am Samstagabend in der Synagoge. Kann es sein, dass dieser Text über das Wohl und Weh von Technisierung und Fortschritt schon fast 90 Jahre alt ist! Mühelos ließe er sich auf die heutige Globalisierung übertragen. Das Schicksal des Mannes, der den Song Ende der 20er Jahre in Berlin vertonte, ist beispielhaft für so viele jüdische Künstler jener Zeit. Der Kabarettkomponist Curt Bry wurde 1933 wie alle anderen mit Berufsverbot belegt, emigrierte in die USA, konnte aber nicht mehr anknüpfen an die früheren Erfolge.

Mit einigen dieser Ausnahmetalente macht Thies sein Publikum singend und Akkordeon spielend bekannt. In der Synagoge wird gewippt, im Takt geklatscht und mitgesungen, wenn Schlager wie „Bei mir bis du schön“ oder „Irgendwo auf der Welt“ erklingen. Die Lieder sind bekannt, manche aus UFA-Filmklassikern wie „Die Drei von der Tankstelle“ oder „Ein blonder Traum“. „Aber die Namen der Komponisten und Textdichter hat kaum einer je gehört“, sagt Thies. Wer sein Programm aufmerksam verfolgt, vergisst sie nicht mehr, denn Thies beschränkt sich nicht aufs Musikalische, er erzählt auch über die Menschen, deren Schicksale und über das Lebensgefühl jenes Jahrzehnts, in denen sie ihre großen Erfolge feierten.

„Das war eine freie Zeit“, nennt er eine der besten Eigenschaften der Weimarer Republik. Ob Film, Theater oder Kabarett – es waren jüdische Autoren, Regisseure und Komponisten, die den Ton angaben. Es entstand ein kultureller Schatz, den der studierte Musikwissenschaftler an diesem Abend lebendig werden lässt und von dem die Zuhörer nicht genug bekommen können. Das Repertoire fürs Programm – Zugaben inklusive – ist reich. „Ohne die Arbeit von Musikexperten hätte ich die Lieder nicht präsentieren können“, steuert der Künstler eine weitere Geschichte bei. Was in Berlin Rang und Namen hatte und jüdisch war, verewigte seine Musik zwischen 1933 und 1938 auf Schellack-Platten für ein verbliebenes jüdisches Label, von dem nicht mehr als Kataloge in Berlin verblieben. In den 90er Jahren nahmen sich Musiker diesem Nachlass an, trugen aus der ganzen Welt die Schellack-Platten zusammen und veröffentlichten eine Edition, deren Titel den Verlust von überbordendem künstlerischen Talent für die deutsche Kultur in ein kleines Wort fasst: „Vorbei“.

Von Anke Schlicht

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