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Celle Stadt Vergnügliche Reise vom Urknall bis zur Gegenwart
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vergnügliche Reise vom Urknall bis zur Gegenwart
14:45 30.09.2013
Verbindet Naturwissenschaft mit Witz und Humor: Comedian Vince Ebert.   Quelle: Frank Eidel
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CZ: „Evolution“ ist bereits ihr sechstes Soloprogramm. Was bietet es Neues?

Ebert: „Evolution“ ist eine vergnügliche Reise durch die letzten 13,8 Milliarden Jahre – von der Entstehung des Universums bis zum Homo sapiens. Vom Urknall bis zur Gegenwart in 90 Minuten. Das erste Leben entstand übrigens schon vor rund 3,5 Milliarden Jahren in einem ölig-schleimigen Tümpel, quasi als Vorform eines Versicherungsvertreters. Seitdem hat sich einiges getan. Wir haben das Rad, die Metallverarbeitung und den Bausparvertrag entwickelt. Ohne die Erfindung der Glühbirne müssten wir heute noch bei Kerzenlicht fernsehen.

CZ: Sie haben zunächst Physik studiert. Wie kamen Sie zum Kabarett?

Ebert: Ich wollte an die Frauen ran (lacht). Und tatsächlich geht es in „Evolution“ themenbedingt sehr viel um Partnerwerbung. Nehmen Sie zum Beispiel die Tintenfischart sepia apama. Die trifft sich einmal im Jahr zu einer riesigen Fortpflanzungsorgie in Südaustralien. Und dabei nutzen die schwächeren Männchen einen genialen Trick: Sie wechseln in einer Art Travestie die Farbe und täuschen vor, ein Weibchen zu sein. Also quasi vom Tinten- zum Tuntenfisch. Damit kommen sie unbemerkt an die bewachten Weibchen ran, machen dann ihre Farbe rückgängig und paaren sich. Das ist genauso wie beim Kölner Karneval.

CZ: Sie verbinden Wissenschaft mit Comedy. Sehen Sie sich eher als Wissenschaftler oder als Comedian?

Ebert: Eigentlich betreibe ich ja Erwachsenenbildung. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Humor sehr gut eignet, Wissen zu vermitteln. Ein vergnügtes Hirn lernt eben besser. In der Show erkläre ich die Wirkungsweise eines Schwarzen Loches am Beispiel Vatikan: Es dringt keine Information nach außen. Und innen ist die Zeit stehengeblieben.

CZ: Wie viel Wissenschaft steckt in Ihrem Programm?

Ebert: Wenn ich über die Evolutionstheorie, den Urknall oder die Wirkungsweise der DNA spreche, muss das natürlich wissenschaftlich hundertprozentig korrekt sein. Darüber hinaus gibt es natürlich eine Menge zu lachen. Sogar über Einzeller: Zwei Colibakterien kommen in eine Bar. „Tut mir leid, wir bedienen keine Colibakterien“, sagt der Barkeeper. „Wieso bedienen?“, antworten die beiden. „Wir arbeiten seit Wochen in deiner Küche.“

CZ: In der Schule ist Physik nicht sonderlich beliebt. Wie schaffen sie es damit zu unterhalten?

Ebert: Physik ist alles andere als trocken und abstrakt. Wenn ich in der Show erkläre, wie unfassbar groß unser Universum ist und dazu Originalbilder vom Hubble-Space-Teleskop zeige, dann sitzen die Zuschauer staunend und mit offenem Mund fasziniert davor und hören zu. Der Nobelpreisträger Richard Feynman hat dazu einmal gesagt: „Naturwissenschaft ist wie Sex. Manchmal kommt etwas Sinnvolles dabei heraus. Aber das ist nicht der eigentliche Grund, weshalb man es macht.“

CZ: Warum sollte man unbedingt in Ihre Show kommen?

Ebert: Wenn Sie naturwissenschaftlich fundiert erfahren wollen, warum die Natur Sex erfunden hat, ob der Musikantenstadl tatsächlich mit der Evolutionstheorie vereinbar ist und wieso Darmbakterien cool sind – und Pandabären Idioten – dann müssen Sie einfach „Evolution“ besuchen.

Von Fabian Kaul