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Celle Stadt Vergnüglicher Abend in Celle: Mit Ralf Schmitz auf Klassenfahrt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vergnüglicher Abend in Celle: Mit Ralf Schmitz auf Klassenfahrt
16:37 10.12.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Die Schmitz´sche Körpersprache verrät schon einiges: Die Geste der weit offenen Arme ist fest verankert im Bewegungsablauf des Comedian – einladend, offen und großzügig, ein Signal, die ganze Welt zu umarmen. Und da das gerade nicht geht, tut er es mit seinem Publikum. Kaum einer seiner Kollegen ist so interaktiv auch im Zuschauerraum unterwegs – begleitet von einem Kameramann, so dass die Bilder auch gleichzeitig auf der großen Bühnenleinwand zu sehen sind. Ralf Schmitz nimmt seine Zuschauer mit. Und er bindet sie ein, freut sich an den Versuchen, seinen Blicken zu entgehen und ihm doch nicht zu entkommen. Wer könnte diesem verschmitzten Lächeln auch widerstehen…

Zurück auf die Schulbank – zumindest im Geiste – auch das sollte „Schmitzenklasse“ symbolisieren. Locker wird anmoderiert, der Entertainer legt vor, und zieht dann seinen „Opfern“ das Ihrige aus der Nase. Zum echten Opfer wird weder vor noch auf der Bühne allerdings niemand gemacht. Alles bleibt freundlich und auf einer Mindestbasis von Respekt. Ralf Schmitz genügt die Situationskomik und seine blitzschnelle Reaktionsfähigkeit, auf die er sich verlässt und ganz offensichtlich verlassen kann. Hier wird keiner zur Schadenfreude anderer vorgeführt, hier lacht man miteinander und nicht boshaft übereinander – selbst die sich durchs Programm ziehenden Witzeleien über Tobias Rinderrouladen bleiben noch nett – und das allein ist schon eine Kunst, die den Comedian adelt.

Und Glück beim Herauspicken seiner zufälligen Mitspieler hat er außerdem. Gleich zu Anfang geht ihm mit Manuel ein junger Lehrer ins Netz (Mathe, Chemie und Theater – das kann sich Schmitz nicht entgehen lassen, er und Björn müssen ihm beim „Tintenkiller“-Krimi als Statisten aushelfen); daneben die „nur beste Freundin“ Susanne (Lieblingsfach Sport) ist heute Logopädin und mit ihrer Tochter da, die schon mal mit Schmitz auf der Bühne stand. Ob sie nochmal wolle?... nö lieber nicht. Zwischen Geplauder über Pausenhof, Schulbroten, kratzigen Strumpfhosen und Lehrern durchforstet Schmitz immer wieder die vorderen Zuschauerreihen nach geeigneten Kandidaten. Daniela aus Groß Hehlen weist ihm mit Tröte und Klingen den Weg durch ihren Alltag. Iris und Lars spielen Restaurantgäste. Dolores (aus Spanien der Liebe wegen nach Celle gezogen) und Thorsten spielen ihre 26-jährige Beziehung im Zeitraffer nach.

Immer mittendrin gibt Ralf Schmitz, stets in Bewegung und über sich selbst ebenso amüsiert wie über seine Mitstreiter, sein Bestes, um sowohl die herausgepickten Gäste auf der Bühne als auch sein Publikum bei Laune zu halten: Clownerie und kecke Andeutungen, Parodistisches und winzige, ehrliche Einblicke in sein Leben. Die Mischung ist authentisch und liebenswert gleichzeitig, was man auch daran merkt, dass die Zuschauer mehr und mehr die Scheu verlieren und Interaktionen wie Fragen und Antworten immer lockerer funktionieren. Vor allem aber wird an diesem Abend sehr viel zusammen gelacht. Zum Schluss gibt’s frenetischen Applaus und Blümchen für alle „Mitspieler“.

Von Doris Hennies