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Celle Stadt Vergnüglicher Liederabend in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vergnüglicher Liederabend in Celle
21:51 10.04.2016
Celle Stadt

Verpackt in zumeist bluesig-groovige Gitarrenklänge beschrieb der 57-Jährige einen „Kosmos, in dem die Unordnung der Welt noch in Ordnung ist“, und kehrte dabei das Innere nach Außen. Etwa bei seinem Song „Hinter meiner Stirn“, wo er versucht, in dem Durcheinander der diversen „Schubladen“ die jeweils richtigen Antworten auf die Fragen des Lebens zu finden.

Überhaupt: Fitz erwies sich als ein öffentlicher „Tiefblicker“. Er ließ das begeistert mitgehende Publikum teilhaben an seinen Erfahrungen und Gedanken. Und an seinem Leben. Dabei ließen seine Lieder eine fast schon intime Atmosphäre entstehen, etwa wenn er von gescheiterten Zweierbeziehungen erzählte („Wuist du mi no?“) oder auf seiner emotionalen Gratwanderung zwischen allerlei Déjà-vus über die Zeit sinnierte, die (noch) zum Leben bleibt („I hob koa Zeit“).

Auch wenn mancher nur einige Splitter und Bruchstücke seiner bayerisch vorgetragenen Songs verstanden haben sollte, schon wenige „Wortfetzen“ und dazu das mal emotional mit den Texten verschmelzende, mal kräftig untermalende Gitarrenspiel reichten aus, um seine poetische Analyse über „das diafa g’legte Leben“ zu verstehen, wenn sich Fitz wieder einmal als gefühlvoller Betrachter zwischenmenschlicher Beziehungen erwies. Mit seinen kommentierten Moderationen verstärkte er zudem den Eindruck, er wolle das Publikum an seinen Perspektiven teilhaben lassen, damit man sich selbst wie in einem Spiegel wiedererkennen kann. Etwa als er – ganz in rotes Scheinwerferlicht getaucht – den „kloanen Deifi“ besang, der tief in ihm drinsitze und ihn hektisch durchs Leben jage. Oder bei den überaus hintergründigen „Lebensweisheiten eines erwachsenen und gereiften Mannes“, als er in seinem Song „Ich geh‘ nicht aufs Eis“ unter anderem das oft gedankenlose Verhalten (Handy-Nutzung, Raserei) im Straßenverkehr aufs Korn nahm.

Von Rolf-Dieter Diehl