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Celle Stadt Verkündende Engel und jubelnde Hirten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Verkündende Engel und jubelnde Hirten
12:32 06.12.2011
Hannoversche Hofkapelle und Celler Stadtkantorei unter der Leitung von Martin Winkler bei der Auff¸hrung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Stadkirche. Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Mit schwungvoll-freudigen Orchestertönen und dem jubelnd-empathischen Eingangschor „Jauchzet! Frohlocket!“ machte sich bei der Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche von Beginn an ungehemmte, wenn auch musikalisch gezügelte Vorweihnachtsfreude breit. Unter der Leitung von Martin Winkler entfalteten die Celler Stadtkantorei und die Hannoversche Hofkapelle sowie die Gesangssolisten Olivia Stahn (Sopran), Kerstin Rosenfeldt (Alt), Daniel Karrasch (Tenor) und Dietmar Sander (Bass) in einem Wechselspiel zwischen verkündenden Engeln und jubelnden Hirten den festlichen Überschwang der Weihnachtsstimmung. Sie wölbten einen großen musikalischen Spannungsbogen, unter dem sich die teils reflektierende, teils dramatische Darstellung der vertrauten Geschichte prächtig zu entwickeln vermochte. Das federnd abgestuft spielende Orchester trug maßgeblich zum Gelingen bei.

Geradezu ästhetisch wurden die melodischen Bögen von der sorgfältig phrasierenden und artikulierenden Kantorei ausgesungen. Da schleppten sich die Choräle nicht bedeutungsschwanger dahin, sondern flossen in einem natürlich wirkenden Gesangstempo, das dennoch genug Empfindsamkeit zuließ. Ein Ansatz, in den sich auch die Solisten fügten: Karrasch gab dem Werk mit seinem stilvoll vorgetragenen Evangelienbericht seine formale und geistliche Klammer. Rosenfeldt gestaltete ihre Arien quasi „mit zärtlichen Trieben“, wie es im Text („Bereite dich, Zion“) heißt, und gab dem Wiegenlied mit ihrem warm timbrierten Alt das unverzichtbare Quäntchen Mütterlichkeit. Sander sang buchstäblich mit dem Brustton der Überzeugung. Auch Stahn erreichte in ihren Vorträgen mit ihrem glockenreinen Sopran auf direktem Wege die Herzen der Zuhörer. Wunderschön gelang ihr die Echo-Arie, in der – von Oboe und Cello einfühlsam ausgemalt – die Stimme des Jesusknaben in das musikalische Gewebe eingebaut wird. Im vierstimmig aufgefüllten Rezitativ der letzten Kantate („Was will der Hölle Schrecken nun?“) schlug das Solistenquartett eine gelungene Brücke zwischen Triumphmusik und dem Gedanken der Geborgenheit und Fürsorge, bevor man im Schlusschoral gemeinsam mit Chor und Orchester den stimmungsvollen Wechsel zwischen Arien und Chorälen, Rezitativen und instrumentalen Zwischenspielen zu einem triumphalen Ende führte.

Von Rolf-Dieter Diehl