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Celle Stadt Vermisste Lachendorferin wieder aufgetaucht: Leitfaden hilft im Ernstfall
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vermisste Lachendorferin wieder aufgetaucht: Leitfaden hilft im Ernstfall
17:33 07.08.2017
Celle Stadt

Die meisten Vermisstenfälle klärten sich wie in Lachendorf schnell wieder auf, in der Regel innerhalb von Stunden, sagt der Celler Polizeisprecher Thorsten Wallheinke – "doch die kommen einem endlos vor". 200 bis 300 Kinder und Jugendliche werden nach Angaben der "Initiative Vermisste Kinder" täglich in Deutschland vermisst. "Das ist für die Eltern eine beunruhigende Zeit", weiß Wallheinke.

Wenn Kinder und Jugendliche nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kommen und ihr Aufenthaltsort unbekannt ist, dann wird die Polizei aktiv. "Wer sein Kind vermisst, kann sich ohne Hemmungen an die Polizei wenden", sagt Wallheinke. "Wir gehen immer vom Schlimmsten aus." Schließlich könne der Vermisste Opfer einer Straftat geworden sein.

Wann genau die Polizei mit der Suche beginnt, sei immer eine "individuelle Entscheidung", sagt der Polizeisprecher. Die Umstände des Verschwindens werden im Gespräch mit den Erziehungsberechtigten beleuchtet. "Da wird dann zum Beispiel geschaut, ob das Kind zuverlässig ist oder gerne trödelt."

Wird das eigene Kind vermisst, empfiehlt die "Initiative Vermisste Kinder" folgende Schritte:

Ruhe bewahren: Bleiben Sie trotz Sorge konzentriert und überlegen Sie, wo sich das Kind aufhalten könnte.

Suche bekannt machen: Fragen Sie bei Freunden, Eltern oder Nachbarn nach, ob jemand weiß, wo das Kind sein könnte.

Polizei informieren: Geben Sie zeitnah eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf, damit keine wertvolle Zeit verstreicht. Beschreiben Sie das Aussehen des vermissten Kindes.

Telefonanschluss freihalten: Polizeisprecher Wallheinke rät dazu, stets telefonisch erreichbar zu sein – für das vermisste Kind, aber auch für die Polizei.

Ansprechpartner vor Ort: Es sollte jemand zu Hause sein, falls das vermisste Kind wieder auftauchen sollte. Wenn besorgte Eltern sich selbst auf die Suche machen, sollte eine andere Bezugsperson zu Hause die Stellung halten.

In den meisten Fällen kehren die Vermissten wohlbehalten nach Hause zurück. Manche Jugendliche reißen von zu Hause aus, um den Eltern beispielsweise nach einem Streit einen Denkzettel zu verpassen. Nach ihrer Rückkehr sollte dieses Verhalten aufgearbeitet werden. "Dann ist es wichtig, zu fragen: Was war denn los?", sagt Anja Werner von der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises Celle. Eltern sollten den Jugendlichen zuhören, aber auch die eigene Betroffenheit und die eigenen Sorgen deutlich machen. Experten der Erziehungsberatungsstelle oder des Jugendamts können die Gespräche unterstützen.

Die Ursachen dafür, dass Kinder und Jugendliche kurzzeitig ausreißen, seien vielfältig. "Entweder werden Grenzen als zu rigide empfunden oder es gibt Konflikte inner- oder außerhalb der Familie", sagt Werner. Orientierung für Uhrzeiten, zu denen Jugendliche wieder zu Hause sein sollten, bietet das Jugendschutzgesetz. "Das finde ich ganz sinnvoll", sagt Werner.

Nicht alle Menschen haben gute Absichten. Schon im Kindergartenalter sollten Eltern ihren Schützlingen einschärfen, nicht mit Fremden mitzugehen – damit Kinder gar nicht erst Opfer eines Verbrechens werden. "Es ist wichtig, darüber zu sprechen", betont Werner. Das funktioniere beispielsweise mithilfe von Kinderbüchern, "die nicht ängstigen".

Von Amelie Thiemann