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Celle Stadt Vermittlerin für Theologie und Praxis zieht nach Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vermittlerin für Theologie und Praxis zieht nach Celle
11:25 16.06.2017
Von Dagny Siebke
Beim Bewerbungsgottesdienst Anfang Mai legte Andrea Burgk-Lempart einen souveränen Auftritt hin. Es habe ihr viel Kraft gegeben, dass sie das Taufbecken vom Altarraum fest im Blick hatte.  In der Celler Stadtkirche wird sie wohl im Oktober wieder als neue Superintendentin zu hören sein.  Quelle: Hartwig A.Braun
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Selbst beim Gärtnern entdeckt Celles neue Superintendentin eine religiöse Dimension. Auch wenn man möglichst viele Samen verstreue und diese regelmäßig gieße, betont Andrea Burgk-Lempart: "Es liegt nicht allein in unserer Hand, dass die Samen aufgehen. Damit etwas gedeiht, braucht es auch Gottes Hand." Die 48-jährige Theologin hat viel Freude am Geschenk des Lebens: "In meinem Leben ist mir Vieles geschenkt worden. Dafür bin ich sehr dankbar und dafür möchte ich so viel wie möglich zurückgeben."

Es fällt Burgk-Lempart nicht leicht, die Gemeinde in Diekholzen und ihren Garten zu verlassen. Doch zieht sie frohen Mutes nach Celle und nimmt viele ihrer Ableger mit, die auch hier gedeihen sollen. Einige Ableger stammen sogar noch von ihren Konfirmanden. Von ihnen hat sie immer etwas Bleibendes in ihrem Garten.

Auch wenn es Burgk-Lempart weiß, dass sie viele Menschen hinter sich lässt, freut sie sich auf ihre neue Aufgabe. Die Stelle der Superintendentin im Kirchenkreis Celle reizte sie, da eine gute Predigerin und einfühlsamer Gesprächspartner gesucht wurde. Wie leidenschaftlich sie predigen kann, bewies sie bei ihrem Bewerbungsgottesdienst in der Stadtkirche. Dieser Tag sei für die Pastorin etwas ganz Besonderes gewesen, erzählt sie. "Allein vor 350 Menschen zu stehen und 'Lobe den Herren' zu singen, hat mir viel bedeutet, da mich das Lied mein ganzes Leben lang begleitet." Sie sei sehr aufgeschlossenen Cellern begegnet und habe das Gefühl gehabt, am "richtigen Ort" zu sein. Und am Mittwochabend gab der Kirchenkreistag ihr recht, und sprach ihr mit einer deutlichen Mehrheit von 45 zu 24 Stimmen das Vertrauen für die kommenden zehn Jahre aus.

Als neue Superintendentin hat sich Burgk-Lempart vorgenommen, ihre Freude an der Gemeindearbeit und an der Predigt erlebbar zu machen. Ihr Lieblingsbibelzitat hat sie als Wandtattoo über die Besprechungsecke im Büro geklebt: "Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christi ist", heißt es im Römerbrief, Vers 39. Für die Theologin sind das "Worte voller Zuversicht."

Außerdem möchte Burgk-Lempart die Glaubensdimension stärken und sowohl Worte als auch Taten sprechen lassen. Darüber hinaus will sie Räume schaffen für eine offene Diskurskultur, da Religion sonst etwas sehr Privates sei. Für ihre neue Aufgabe verstehe sie sich weniger als Managerin: "Religion ist keine Dienstleistung, sondern sie bildet einen Gegenhorizont zur Gesellschaft." So präge Religion ganz eigene Worte wie zum Beispiel Gnade, Barmherzigkeit und Schöpfung.

Nach Celle umziehen werde die neue Superintendentin erst im Oktober, da einer ihrer zwei Söhne noch die Schule wechseln müsse. Der ältere Sohn wird noch in Diekholzen das Abitur ablegen. "Ich will mir erst einmal ein genaues Bild von Celle machen und ganz viel hinhören", hat sie sich als erstes vorgenommen. Im Gepäck hat sie noch kein fertiges Konzept für die Zusammenarbeit mit 84.000 Mitgliedern, 3750 Ehrenamtlichen und 700 Mitarbeitern. Mit einer klaren und deutlichen Sprache will Burgk-Lempart möglichst viele Menschen erreichen, auch die, die keine regelmäßigen Kirchgänger mehr sind: "Ich finde auch den Zweifel am Glauben ganz wichtig, denn ohne Zweifel gerät der Glauben in eine Überheblichkeit."