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Celle Stadt Verschmelzung von Theater und Musik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Verschmelzung von Theater und Musik
16:21 21.09.2018
Beim Theaterfest vor dem Celler Schloss gaben Moritz Aring mit Band und Natascha Heimes als Marlene schon mal ein paar musikalische Kostproben aus dem Stück „Fesche Lola, brave Liesel“. Quelle: Doris Hennies
Celle

Da ist das biografische Buch „Fesche Lola, brave Liesel“ von Heinrich Thies als Vorlage, ein daraus entwickeltes, sich auch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzendes Theaterstück und eine Premieren-Kritik die eine heftige Diskussion ausgelöst hat. Mittendrin gibt es aber auch das junge Jazz-Sextett „Was Nun“ – sechs Musikstudenten, deren musikalische Leistung auf der Bühne des Celler Schlosstheater das Publikum in jeder Aufführung erneut begeistert. CZ-Mitarbeiterin Doris Hennies sprach mit Bandleader Moritz Aring über die Arbeit vor und hinter den Kulissen:

Sie stehen mit ihrer Combo nun schon seit einigen Wochen regelmäßig auf der Bühne, wie ist es zu dieser Zusammenarbeit mit dem Theater gekommen?

Wir gaben mit der jungen Bigband „Tonspur“ ein Konzert in Halle 19. Dort haben mich der Dramaturg Ralph Blase und Intendant Andreas Döring einfach angesprochen und gefragt, ob ich mir grundsätzlich vorstellen könnte, in einem passenden Stück musikalische mitzuwirken. Natürlich hat mich das interessiert. Als die Pläne zu einer Bühnenbearbeitung des Buchs von Herrn Thies konkreter wurden, kam auch die gezielte Anfrage vom Theater und ich habe sie an meine Musiker weitergegeben.

Wie ging es konkret weiter – wie weit waren Sie in den musikalischen Teil der Stückentwicklung involviert?

Es war wirklich von Anfang an eine gute, ja gleichberechtigte Zusammenarbeit. Andreas erstellte ein Konzept und erklärte, was er sich darstellerisch vorstellte und dann suchten wir gemeinsam nach Ideen für die musikalische Ausgestaltung. Wir sind ja nicht nur Begleitung zu den Liedern.

Was war der schwierigste Part dieser Zusammenarbeit. Immerhin war dieses Projekt ja Neuland für Sie und ihr Sextett?

Tatsächlich waren die Vorbereitungen am aufwändigsten. Ich bin kein Marlene-Dietrich-Experte. Klar kannte man einige ihrer Songs, aber um mich auch musikalisch dort reinzufinden, musste ich mich erstmal auf Spurensuche begeben. Erst ihre Zeit vor dem Krieg, als deutsche Filmikone und ihrer Zusammenarbeit mit Friedrich Hollaender, etwa im „Blauen Engel“, später in den 50er-Jahren die Arbeit mit Burt Bacharach. Die Auswahl der Titel ging dann eher flott. Ich hatte meine Vorschläge, Andreas und Ralph ihre, daraus rekrutierte sich parallel zur Ausarbeitung des Stücks auch die konkrete musikalische Auswahl.

Und die Umsetzung auf einer Bühne, integriert in ein Theaterstück?

Da gab es schon einiges zu beachten. Zum Glück gibt es unser Sextett schon länger, es wurde also nicht – wie manche meinen – speziell für die Aufführung gebildet. „Was Nun“ ist ein aufeinander eingespieltes Team, so war es kein Problem, sich musikalisch zu finden. Ungewohnt war die Koordination zwischen Band und Theater. Wir haben schon vor Spielzeitbeginn mit den Proben begonnen – eine tolle Erfahrung, auch weil uns die Schauspieler von Anfang an partnerschaftlich ernst genommen haben. Im Jazz ist ja vieles offen. Im Zusammenspiel im Theater müssen exakte Einsätze, Abläufe und Zeiten eingehalten werden. Außerdem sollten keine musikalischen Kopien sondern passende, modernere Adaptionen entstehen (was schon die unterschiedliche Instrumentierung notwendig macht). In manchen Passagen eröffnen sich gewisse gestalterische Freiräume. Andreas wollte, dass die Musik die Dramaturgie unterstützt, einen roten Faden zieht, sich mit den Geschehnissen verwebt – das heißt auch Gefühle und Stimmungen transportieren und unterstreichen. Zum Beispiel die eingearbeiteten Klezmer-Anklänge jüdischer Musik in den Sequenzen, die in Bergen Belsen spielen.

Der kontroversen Diskussion geschuldet: Inwieweit kann Marlene Dietrich mit Jazz in Verbindung gebracht werden?

Es gibt da ganz eindeutige Beziehungen. Vor allem in der Nachkriegszeit hat die Dietrich über Jahre sehr intensiv mit Burt Bacharach zusammengearbeitet. Sie war über 50 und wollte unbedingt wieder auf die Bühne, an ihre frühere Kariere anknüpfen. Der rund 30jährige, noch unbekannte Komponist und Arrangeur unterstützte sie dabei, glättete die taffe Spröde und Arroganz in ihrer Stimme und machte sie etwas damenhafter und eleganter für die bluesigen Chansons und die temperamentvolleren Swing-Stücke – unverkennbar Jazz.

Ein paar letzte Informationen über die Logistik, 25 Mal gemeinsam auf der Bühne stehen zu können und ein kurzes Fazit?

Naja, wir hatten ja Anlaufzeit, die Termine einzuplanen – zumindest als Zeitfenster. Dazu kommt, dass der größte Teil in die Semesterferien zumindest in vorlesungsfreie Zeit fiel. Wir kommen alle aus dem Raum um Hannover, also keine allzu langen Anreisen – für mich mit einem Elternhaus in Celle ist das natürlich noch einfacher. Wir haben alle eine Menge durch dieses Projekt gelernt, unsere Erfahrungen erweitert – und wir sind Menschen aufgefallen, die uns sonst wohl nicht wahrgenommen hätten. Wenn es die Zeit erlaubt und sich die Gelegenheit bietet, wären wir wieder dabei.

Von Doris Hennies

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