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Celle Stadt Verstopftes Schul-WC beschäftigt Celler Anwälte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Verstopftes Schul-WC beschäftigt Celler Anwälte
15:49 20.10.2016
In der Kritik:Meike Kerker Quelle: Alex Sorokin (Archiv)
Celle Stadt

Vermeintliche Polizeiverhöre, DNA-Analysen und Schadensersatzforderungen im vierstelligen Bereich: Das klingt nach einem Programm zur Überführung von Verbrechern, doch diese Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen soll die Leiterin der Integrierten Gesamtschule Celle (IGS), Meike Kerker, bei zwölfjährigen Jungen angewandt haben. Drei betroffene Eltern wie auch die Schulleiterin haben inzwischen Anwälte mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt.

Konkret geht es um ständig verstopfte Schultoiletten und die Frage, wer sie Mitte März zum Überlaufen gebracht hat. Vier Kinder hatten seinerzeit während des Unterrichts das WC aufgesucht und sollen dort von einem Zeugen zusammen gesehen worden sein. Die sich daran anschließende Befragung der Beteiligten brachte den Stein ins Rollen. „Wir als Eltern sind bestürzt, dass unsere Kinder unter Androhung von Polizei, DNA-Spurenentnahme und Geldstrafe befragt wurden und dadurch einer starken Belastungssituation ausgesetzt waren“, heißt es in einer mehrseitigen Dokumentation von drei Eltern, die auch der Landesschulbehörde vorliegt. Demnach soll der verursachte Schaden von der Schulleiterin mit bis zu 4000 Euro beziffert worden sein.

„Einige der Kinder leiden unter Ängsten, Schlafstörungen und starken Unruhezuständen“, sagen die Erziehungsberechtigten. Keines der Kinder habe Papier in die Becken geworfen, um diese zu verschmutzen – vielmehr seien die Toiletten bereits vorher verstopft gewesen. Der Rechtsanwalt der Familien, Volker Nebelsieck, wartet unterdessen nach eigenen Angaben bis heute „auf alle gesammelten Beweise, den Originalbericht eines Zeugen und eine Mappe der Wahrheit“, mit der die Schulleiterin Geständnisse und Namen der Mittäter erpresst habe. „Zahlreiche Gespräche mit Frau Kerker und der Landesschulbehörde haben nichts gebracht“, berichtet er. „Für sie hat die Schulraison oberste Priorität. Und diese versucht sie hier auf Kosten der zwölfjährigen Jungen durchzusetzen, die sie regelrecht eingeschüchtert, bedroht und verängstigt hat.“ An einzelnen Schülern werde ein Exempel für ein generelles Problem statuiert, so Nebelsieck.

Die betroffenen Eltern versuchen nun eine neue Schule für ihre Kinder zu finden. „Sie fühlen sich dort nicht mehr wohl“, berichtet eine Mutter. Die Eltern kritisieren, dass die Schulleiterin Klassenkonferenzen einberufen habe, ohne vorher ein persönliches Elterngespräch gesucht zu haben. Zudem habe der Anwalt von der Teilnahme an einem solchen „Tribunal“ abgeraten, da die Klassenkonferenzen so nicht zielführend sein könnten – „im Halbstundentakt und ohne ordentliche Aufklärungsarbeit“.

Kerker will sich zu den Vorwürfen persönlich nicht äußern. Sie verweist gegenüber der CZ an die Landesschulbehörde, die ihrerseits schreibt: „Wir haben beide Widersprüche der Eltern als unzulässig angesehen und daher die Verfahren eingestellt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns wegen schutzwürdiger persönlicher Belange der Betroffenen zu den Ergebnissen nicht äußern können.“

Zeitgleich verschickt Kerkers Anwalt Ulrich Brock ein Schreiben, in dem er mit rechtlichen Konsequenzen droht. In einer E-Mail an die CZ heißt es: „Unabhängig davon, ob der Rechtsanwalt Nebelsieck persönlich Ihnen gegenüber falsche Angaben gemacht hat oder ob es ,drei betroffene Familien‘ waren, ist eine falsche ehrverletzende Tatsachenbehauptung, die diese Leute aufstellen und die sich gegen meine Mandantin richtet, in jedem Fall deliktisch zu verfolgen. Was das für eine Veröffentlichung in der Zeitung bedeutet, muss ich Ihnen nicht erklären.“ In einer weiteren E-Mail heißt es: „Jede einzelne dieser Behauptungen ist falsch, sie ist damit rechtswidrig, ehrverletzend und unterliegt einem deliktischen Unterlassungsanspruch, den ich nunmehr geltend machen werde.“ Und weiter: „Herr Nebelsieck hat in den vergangenen Wochen und Monaten, um seine Ziele gegenüber der Schule durchzusetzen, mehrfach damit gedroht und sich insoweit voraussichtlich auch einer strafrechtlichen Nötigung schuldig gemacht, den Ruf meiner Mandantin durch Presseveröffentlichungen zu beschädigen.“

Unterdessen bezeichnet es ein Schulexperte als „ungewöhnlich“, dass sich eine Schulleiterin in einer solchen Situation privatrechtlich vertreten lasse. Dies sei eigentlich Sache der Landesschulbehörde – wenn diese voll hinter der Schulleiterin stehe, müsse sie sich nicht zusätzlich absichern.

Rückendeckung kommt vom Elternrat: Der Schulelternratsvorsitzende Carsten Rusitschka erklärt, dass man von der Schulleitung über einen Toilettenschaden im vierstelligen Bereich informiert worden sei. „Es gab Gespräche zwischen den Eltern und deren Klassenelternvertretern. Ein Gesprächsangebot von mir an die Eltern wurde von deren Seite ausgeschlagen, ebenso ein Vorschlag zur Schlichtung durch einen externen Mediator“, so Rusitschka. Von Elternseite heißt es dazu, die Schulleiterin habe vorher bereits signalisiert, dass aus ihrer Sicht alles besprochen sei.

Ebenso wie die Elternvertreter steht auch der Personalrat hinter dem Vorgehen der Schulleiterin – dieses bewege sich im Rahmen dessen, was seitens der Landesschulbehörde vorgesehen und wie es von Elternseite wünschenswert sei, heißt es. Und der Elternratsvorsitzende versichert, die Konferenzen seien „ergebnisoffen geführt und einvernehmlich gelöst“ worden. Von weiteren Beschwerden sei ihm nichts bekannt. Kerkers pädagogischen Stil beschreibt Rusitschka als „menschlich, empathisch und geradlinig“.

Von Dagny Rößler