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Celle Stadt Versuch am Ernestinum Celle: Sphären durchqueren per Ballon
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Versuch am Ernestinum Celle: Sphären durchqueren per Ballon
16:36 19.06.2016
"Ich handle hier nur nach Anweisung", sagt der stellvertretende Schulleiter Peter Mack (vorne), diese nimmt er von Funkamateur und Projektleiter Günther Meinhard (rechts) entgegen. Quelle: Alex Sorokin
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Das technische Leistungsvermögen sieht man dem kleinen rechteckigen Paket von außen nicht an. Von Styropor über zerlegte Zollstöcke bis zum Vorsicht-Glas-Aufkleber sind die Materialien alltäglich und die Zusammensetzung weist deutlich auf Eigenbau hin. Das Innenleben dagegen hat es in sich, es birgt die Ergebnisse von zehn Wochen Projektarbeit in einer Gruppe, die Ernestinum-Schülerin Pippa Bahr unter Zustimmung ihrer neun Mitstreiter als „Wetterballon-AG“ bezeichnet.

Heute schicken sie ihre selbst gebauten und mit eigenhändig programmierter Software ausgestatteten Messgeräte ergänzt um Foto- und Videokamera in die Erdatmosphäre. Die Startvorbereitungen überlassen die drei Mädchen und sieben Jungen drei Mitgliedern des Celler Funkamateur-Clubs Celle, die die AG geleitet haben, und dem stellvertretenden Schuldirektor Peter Mack, der sich in einer ungewohnten Rolle wiederfindet. „Hier bin ich eindeutig nicht der Chef“, kommentiert er lachend, während er die Öffnung des Ballons fest zusammenhält, damit das Helium vor dem Zusammenbinden nicht wieder entweicht. „Nicht ruckartig loslassen“, gibt Amateurfunker und Projektleiter Günther Meinhard klare Anweisung an Mack, das 15 Meter lange Band, an dem die wenige hundert Gramm schwere Nutzlast und der Ballon hängen, mit dem nötigen Feingefühl in die Stratosphäre, die rund 15 Kilometer über dem Erdboden beginnt, zu entlassen. „Wir haben jetzt nicht so viel zu tun, aber vor uns liegt nachher eine lange Reise“, erläutert die 17-Jährige Pippa.

Wohin diese führt, hängt davon ab, wo der Ballon, der sich mit 3,5 Metern pro Sekunde fortbewegt, zerplatzt. „Erfolgsmeldung“, heißt es nach zweieinhalb Stunden. „Die 30-Kilometer-Marke ist geknackt.“ Damit meinen die Technik-Begeisterten die Höhe. Über Hermannsburg hat der Ballon den widrigen Bedingungen nicht mehr standgehalten. „Minus 71 Grad haben wir heute Morgen in 20.000 Metern gemessen“, berichtet Meinhard. Mit steigender Höhe erwärmt sich die Luft stetig. An einem Fallschirm ist die Nutzlast mit ihrer wertvollen Fracht hinuntergeglitten und wartet vermutlich in der Nähe von Müden/Örtze darauf, von den Schülern eingesammelt zu werden.

Die Fotos und Filme werden zeigen, wie es in den beiden Sphären, in denen sich der Ballon bewegt hat, aussieht. Die erhobenen Messwerte zu Temperatur und Luftfeuchtigkeit geben genug Stoff für die AG-Arbeit im neuen Schuljahr, wenn es an die Auswertung geht, und bringen Pippa sicherlich ein Stück näher an die Antwort auf die Frage, „Wie entsteht die Wettervorhersage?“, die sie als Hauptmotiv für die Teilnahme an der Projektarbeit genannt hat.

Von Anke Schlicht