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Celle Stadt Vertraulicher Austausch mit Schulleitern
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vertraulicher Austausch mit Schulleitern
17:02 09.12.2011
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

So mancher Zuhörer verließ missmutig den Raum. Die Diskussion mit den Schulleitern über die Vorschläge zur Umgestaltung der Celler Schullandschaft verlief am Donnerstag im Schulausschuss vertraulich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Joachim Falkenhagen (FDP) zeigte sich verärgert über die Vorgehensweise und zog sogar die Einschaltung der Kommunalaufsicht in Erwägung, wovon er später allerdings Abstand nahm. In der Sitzung bezog er sich auf die Regelungen im Kommunalverfassungsgesetz. „Ich habe versucht, das unter eine der Vorschriften zu bringen. Ich finde keine“, sagte Falkenhagen. Reinhold Wilhelms (SPD) machte deutlich, dass der Ausschuss sich für dieses Procedere ausgesprochen habe. Letztlich scheiterte Falkenhagen mit seinem Vorstoß, die Diskussion öffentlich zu führen. Sein Antrag wurde abgelehnt. Vor Beginn der vertraulichen Aussprache stieß Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) hinzu.

Stadtrat Stephan Kassel machte geltend, dass man im Ausschuss mit Landesbeamten rede, die an Schulen beschäftigt seien, die nicht in der Zuständigkeit der Stadt liegen. Man wolle sich intern eine Meinung bilden. Dem Vernehmen nach wollten sich die Schulleiter nur dann zu den verschiedenen Varianten äußern, wenn sie dies im vertraulichen Rahmen machen können. Letztlich gab es keine Abstimmung über die Einführung von Oberschulen, die Konzentration des Hauptschulangebots oder die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS). Es kam aber der Wunsch nach einer klaren Perspektive zur Sprache, um sich darauf einstellen und das Beschlossene umsetzen zu können. Allerdings wurde auch angemerkt, dass dies bis zum 1. August 2012 kaum machbar sei.

Klaus Didschies, der für die CDU auch im Kreistag sitzt, machte Druck. Er kritisierte, dass die Verwaltung nur ihre Vorstellungen mitgeteilt hatte, aber dem Ausschuss keine Beschlussvorlage vorlag. „Ohne Ziel führt das zu nichts“, monierte er. „Wir müssen zumindest einen Weg bereiten.“

Wilhelms reagierte verärgert. „Ich verstehe diese Einlassung überhaupt nicht“, verwies er auf den einstimmigen VA-Beschluss, den Landkreis aufzufordern, eine Schulreform nicht zu überstürzen und eine angemessene Beteiligung der Betroffenen sicherzustellen. „Bei einem Teil tun wir das heute“, sagte Wilhelms. Ein Beschluss vor der Anhörung der Schulleiter mache keinen Sinn. Sollte die Meinungsbildung wie vom Kreis gewünscht nicht bis Mitte Januar abgeschlossen sein, müsse man sich eben mehr Zeit nehmen. Am Ende solle der Rat eine Entscheidung treffen. Oliver Gatz

KOMMENTAR:

Nicht voreilig entscheiden

Eine Schulreform muss in Celle nicht übers Knie gebrochen werden. Der Einbruch der Schülerzahlen in der Stadt ist nicht so dramatisch wie in einigen Kreisgemeinden. Man kann sich also noch etwas Zeit lassen. Gleichwohl ist die Tendenz vorgegeben. Die Stadt muss irgendwann Farbe bekennen und deutlich machen, wohin die Reise gehen soll.

Ein solcher Schritt sollte allerdings gut durchdacht sein. Hier eine umfassende Beteiligung der Lehrer, Eltern und Schüler einzufordern, ist richtig. Erst wenn diese Meinungsbildung abgeschlossen ist, kann es zu Entscheidungen kommen.

Dass Stadt und Kreis zunächst einmal getrennte Wege gehen könnten, wäre nicht ungewöhnlich. In den Kreisen Hildesheim und Cuxhaven wird auch so verfahren. Dort hat man zunächst Oberschulen nur in der Fläche eingerichtet. Warum also nicht auch in Celle? Ob die Konkurrenz zweier unterschiedlicher Systeme tatsächlich schädlich ist, bleibt abzuwarten.

Unterdessen treibt die Diskussion um einen IGS-Standort in Celle mitunter seltsame Blüten. Egal ob nun Kasernengelände Hohe Wende oder der noch abwegigere Vorschlag AKH-Areal: Ein neues Schulzentrum zu bauen, macht angesichts sinkender Schülerzahlen und knapper Kassen keinen Sinn. Es wird auf eine IGS in einem vorhandenen Schulkomplex hinauslaufen - mit schmerzhaften Folgen für das eine oder andere Gymnasium. Zunächst muss der Kreis aber erst einmal ermitteln, ob überhaupt der Bedarf für eine IGS vorhanden ist.

Bei allen Erwägungen sollten die Kinder im Mittelpunkt stehen. Und das heißt für Celle: Kurze Wege zu den Grundschulen. Die geplanten Oberschulen missachten zum Teil diesen Grundsatz. Sie berücksichtigen auch nicht den Ganztagsbetrieb oder das Thema Inklusion. Weiterhin relativ kurze Wege hätten auch die (Noch)-Hauptschüler in Celle bei einer Konzentration des Unterrichts an einigen wenigen Standorten. Eine solche Übergangslösung wäre bis zur Entwicklung eines tragfähigen Konzeptes vertretbar.

Dieses ist dringend erforderlich, wie die Vergleichsstudie der Bertelsmann-Stiftung gezeigt hat. Der Kreis Celle muss beim schulischen Lernen deutlich besser werden. Oliver Gatz