Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Vertreibung aus Celler Camper-Paradies
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vertreibung aus Celler Camper-Paradies
10:19 19.05.2018
Von Michael Ende
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

"Im Rahmen einer aktuellen Begehung des Geländes durch Mitarbeiter der Bauaufsicht, des Brandschutzes von Stadt und Landkreis Celle sowie der Feuerwehr haben sich vor allem hinsichtlich des Brandschutzes eklatante Sicherheitsmängel gezeigt, die uns keine andere Wahl lassen“, so gestern Stadtbaurat Ulrich Kinder. Anlass der Überprüfung waren eine Bauvoranfrage sowie der geplante Verkauf des Geländes durch die Stadt. Leider hätten sich nun im Rahmen der Übergabe an den Nachlassverwalter "enorme Missstände" gezeigt, die bislang in diesem Ausmaß nicht bekannt gewesen seien, so Kinder.

Beinahe-Großbrand: Im September 2017 hatte es am Silbersee gebrannt. Die Bilanz des Feuers auf dem Campingplatz: Nach dem Wohnungsbrand, der einen Großeinsatz der Feuerwehr erforderlich machte, wurde das betroffene Gebäude völlig zerstört. Das Unglück hätte wesentlich schlimmer ausgehen können. Im März starb der langjährige Pächter des Campingplatzes. Sein Vertrag mit der Stadt wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Die Kommune wollte den Platz schließen; Unterschriftenlisten gegen diesen Plan kursierten.

Akuter Handlungsbedarf: Die Liste der entdeckten Mängel ist lang. Sie beginnt damit, dass keines der dort errichteten Wochenendhäuser den gesetzlichen Mindestabstand zum Nachbarn einhält. „Das ist im möglichen Brandfall verheerend, da das Feuer sich schnell von Haus zu Haus ausbreiten kann und die Feuerwehr nicht durchkommt“, erläutert Kinder. Brandgassen seien überwuchert und nicht deutlich gekennzeichnet, Löschwasserhydranten seien auf dem Gelände nicht vorhanden, Feuerlöscher nur vereinzelt. Grills, Feuerkörbe, offene Kamine seien in direkter Nähe von möglichen Brandherden errichtet. Wohnwagen könnten bei Gefahr nicht vom Platz entfernt werden, da sie mit überdachten Terrassen und Ähnlichem überbaut seien: "Durch eine illegale Müllhalde sowie die Vermüllung vieler Stellplätze besteht zudem Gefahr der Brandstiftung. Und nicht zuletzt ist das gesamte Gelände in den Abendstunden für die Feuerwehr nicht zugänglich, da das Eingangstor verschlossen wird. Kinder: "Kurz: Wenn am Silbersee ein Flämmchen entsteht, könnte schnell der gesamte Platz in Brand geraten."

Ersatzunterkünfte: „Uns geht es um die Sicherheit von Leib und Leben der Bewohner sowie der Badegäste. Von daher haben wir gar keine andere Möglichkeit, als den Silbersee zu schließen“, betont der Stadtbaurat. „Selbstverständlich ist das Thema auch für uns hoch-emotional. Deswegen wird die Stadt den Bewohnern beim Umzug mit Rat und Hilfe zur Seite stehen“, so Ulrich Kinder. „Wir suchen sozialverträgliche Lösungen und organisieren Wohnraum in stadteigenen Unterkünften.“

Wie eine Bombe schlägt der Satz „Wir müssen den Campingplatz räumen“ bei den Anwohnern am Silbersee ein. Die Stadtverwaltung geht in Begleitung von Polizisten und Security in Vierergruppen über die gesamte Anlage und versammelt alle Anwohner im nahen Gasthaus. „Wir müssen positiv denken. Wenn die Veranstaltung vorbei ist, sehen wir weiter“, sagt der Vorwerker Willi Dörge. Dass die Stadt tatsächlich noch am selben Tag den Silbersee räumen will, das wollen viele bis zuletzt nicht glauben.

Widerstand: Als der Stadtbaurat die Räumung ankündigt, explodiert das Gasthaus. „Das ist wie Enteignung“, sagt die 55-jährige Manuela Broska. „Nein, das ist schlimmer. Das sind echte Nazi-Methoden“, schimpft Wolfgang Hoeft, der seit 2009 ein Haus auf dem Campingplatz besitzt. Der 68-Jährige vermutet hinter dem Zeitpunkt der Räumung Kalkül der Stadt: „Das haben die extra vor dem Pfingstwochenende gemacht, damit wir erstmal keinen Rechtsbeistand bekommen können." Wie ein Großteil der Anwohner will er sich weigern, das Gelände zu räumen. „Wir werden einfach nach Hause zurückgehen, die Haustür abschließen, und dann kommt niemand mehr rein. Die Stadt hat uns vor Jahren das Dauerwohnrecht genehmigt“, so Dörge. Die Stadt will die Räumung durchsetzen. Für Betroffene wurde im Rathaus unter Telefon (05141) 121988 eine Hotline eingerichtet.

Das soll nicht das Ende des Silbersees gewesen sein: Die Stadt stehe bereits in Gesprächen mit möglichen Investoren für einen Neuanfang am See, so Kinder: "Sobald ein Käufer feststeht und durch die Politik bestätigt wurde, steht das Gelände wieder als Campingplatz und Ort der Naherholung zur Verfügung."

Es klingt wie die Handlung eines alten Liebesfilms: Zwei Kinder wachsen im gleichen Viertel auf, der Junge ärgert das Mädchen regelmäßig, sie versucht ihn zu meiden und am Ende verliebt sie sich doch.

18.05.2018

In einer Eilentscheidung hat der Landkreis Celle auf die Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen reagiert: So darf die Oberschule Westercelle im kommenden Schuljahr mit sechs statt der sonst eigentlich vorgesehenen fünf Klassen starten. Ebenfalls mit einem Klassenverband mehr als es die Regel vorsieht, können das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (KAV) und das Hölty-Gymnasium zum Schuljahr 2018/19 beginnen. Aber: 50 Schüler, die das Hermann-Billung-Gymnasium (HBG) besuchen wollten, müssen sich eine andere Schule suchen.

Christopher Menge 18.05.2018

Die Stadt wird wegen Überfüllung geschlossen – aber es liegt Musik in der Luft: Vom 7. bis 9. Juni treffen sich rund 400 Schüler aus Musik-AGs zur 18. niedersächsischen Landesbegegnung „Schulen musizieren“ in Celle. Eine große logistische Herausforderung. „Es war nicht so einfach, für alle eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden“, erklärt Rudolf Markfort, Musiklehrer am KAV-Gymnasium und Bezirks-AG-Leiter im Verband Deutscher Schulmusiker Niedersachsen (VDS) und maßgeblich mit der Organisation vor Ort betraut.

Jürgen Poestges 18.05.2018