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Celle Stadt Verurteilter Drogendealer aus Celle will 9500 Euro zurück haben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Verurteilter Drogendealer aus Celle will 9500 Euro zurück haben
09:23 06.10.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Nachdem ihn sein Bruder bei der Celler Polizei angeschwärzt hatte, schauten sich zwei Beamte am 17. April 2017 bei Cemal G. um und entdeckten dort allerhand: insgesamt 1,1 Kilogramm Marihuana, diverse Klingenwaffen, eine Schreckschusspistole und 11.605 Euro in bar fand die Polizei bei der Wohnungsdurchsuchung in Neuenhäusen, wo der Angeklagte in einem Zimmer bei seinen Eltern lebt. Seitdem sitzt der 28-jährige Celler in Untersuchungshaft, am Mittwoch musste er sich vor dem Amtsgericht wegen unerlaubtem bewaffneten Handel mit Betäubungsmitteln verantworten.

Angesichts der drückenden Beweislast zeigte sich der 28-jährige Kurde geständig. "Er hatte das Betäubungsmittel bei seinen Eltern gelagert, um es gewinnbringend an Einzelkonsumenten abzugeben", räumte seine Rechtsanwältin schon zu Prozessbeginn ein. Woher er die Drogen hatte, die ihm etwa einen Monat reichen sollten, verriet er allerdings nicht. Bezahlt habe er sie zumindest nicht, sondern quasi in "Kommission" genommen. "Ich wollte nur mein Rauchen finanzieren", behauptete der Drogensüchtige, der vor seiner Verhaftung jeden Tag zehn Gramm Marihuana konsumierte habe.

Das Bargeld, das die Polizei sicher stellte, habe er zum Teil angespart. 9500 Euro habe ihm allerdings seine Schwester geliehen. Nach Aussage des Angeklagten wollte er damit eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) finanzieren, die etwa 3400 Euro kosten sollte. "Warum haben Sie sich so viel von Ihrer Schwester geliehen? Ein bisschen weniger hätte es auch getan", wunderte sich der Vorsitzende Richter. "Ich wollte mir auch ein Auto kaufen und ein bisschen für mich behalten", antwortete der Angeklagte, der seit 2011 keinen Führerschein mehr habe und das Autofahren vermisse.

Laut G. arbeite seine Schwester als Putzkraft, ihr Mann sei "bei Netto irgendwie Filialleiter oder sowas". Das Ehepaar habe zwei Kinder. "Ich sehe hier erhebliche Widersprüche. Ihre Schwester ist auch nicht so gut situiert, dass sie so eine große Summe locker machen kann", wandte die Staatsanwältin ein. Die von der Verteidigung beantragte Rückgabe der beschlagnahmten 9500 Euro lehnte sie ab. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass es sich dabei um Drogengeld handelt. Laut der Rechtsanwältin könne jedoch ein Kontoauszug beweisen, dass das Geld tatsächlich von der Schwester stamme. Dieser Streitpunkt wird nun gesondert verhandelt, weil der entsprechende Beweis zum Zeitpunkt der Verhandlung nicht vorlag.

Wegen zwei geringfügigen Drogendelikten war G. in der Vergangenheit mit dem Gesetz aneinander geraten und kam jeweils mit einer Geldstrafe davon. Diesmal ging es jedoch nur noch um die Höhe der Haftstrafe. Grund dafür waren die nicht unerhebliche Drogenmenge und der Umstand, dass der Angeklagte neben dem Marihuana auch noch Waffen griffbereit gelagert hatte – unter anderem zwei Macheten vom Typ "Zombie Dead" (Foto).

Das Schöffengericht verurteilte G. schließlich zu zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung. Damit blieben die Richter zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung scheiterte mit ihrem Antrag, die Haft unter "wenn nötig unter strengsten Auflagen" auszusetzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.