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Celle Stadt Verurteilter beteuert auch 20 Jahre nach furchtbarer Tat seine Unschuld
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21:58 06.03.2018
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„Ich habe Markus Wachtel nicht getötet, ich bin unschuldig“, sagt Alexander B., jetzt selbst Familienvater in Celle. Auf den Tag genau wurde die furchtbare Tat vor 20 Jahren, am 7. März 1998, im Landkreis Peine begangen – „aber nicht von mir“.

Der besonders grausame Mord an dem 13-jährigen Schüler aus Stederdorf bei Peine erschütterte vor 20 Jahren die Bundesrepublik und offenbarte Abgründe menschlichen Handelns. Der 13-Jährige war erwürgt und dann in sechs Teile zerstückelt worden. Heute, jährt sich der Fall, und Alexander B. wiederholt, was er immer wieder gesagt hat: „Ich habe Markus nicht getötet!“ Mittlerweile ist er selbst Familienvater – und weist darauf hin, dass der Täter noch frei herumlaufe.

„Ich habe nie gestanden, was ich nicht getan habe“, sagt er. Und erhebt schwere Vorwürfe: „Die Polizei hat Zeugen geglaubt, die nachweislich gelogen haben. Zudem wurde vieles in den Ermittlungen weggelassen, was mich entlastete.“

Der damalige Berufsschüler Alexander B. war in einem spektakulären Indizienprozess wegen Totschlags an Markus Wachtel verurteilt worden. Motiv sei ein Streit um eine Zigarette gewesen. „Das ist so hirnrissig wie falsch“, beteuert Alexander nach wie vor. Sechseinhalb Jahre lautete das Urteil vor dem Landgericht Hildesheim.

Alexander B. hat nie gestanden und seine Unschuld immer beteuert. Selbst die Ermittlungen der Polizei Peine gaben damals und geben heute noch Anlass, an seiner Verurteilung zu zweifeln. Laut Aktenlage wäre die Tötung für Alexander alleine überhaupt nicht möglich gewesen. So war damals in den Ermittlungsakten festgehalten worden, dass Alexander die Tat mitsamt folgendem Zerstückeln und Verbringen der Leichenteile an den späteren Fundort niemals habe alleine durchführen können.

Ein Verbrechen, ausgeführt und bis ins Detail durchdacht von einem damals 16-jährigen Berufsschüler? Das Opfer war damals, vorbei an der nach dem vermissten Schüler suchenden Polizei, unbemerkt an den nahegelegenen See gebracht worden, wo die in sechs Teile zerstückelte Leiche von Markus Wachtel drei Tage später gefunden wurden.

„Mir tun die Eltern von Markus leid“, sagt Alexander B. jetzt zum Jahrestag. „Ich habe selbst zwei Kinder.“ Und der in Celle wohnende Mann verweist die Ermittlungsbehörden in eine andere Richtung. Denn die Spurenlage im Fall Markus Wachtel weist Parallelen zum Fall Tristan Brühbach bei Frankfurt auf. Auch dieser Junge (13) wurde zerstückelt – Körperteile fehlen bis heute. Auch sein Fall jährt sich in diesem Monat.

Wie im Fall Wachtel war auch dieser Junge getötet und zerstückelt worden. Und wie im Fall Markus wurde später das Grab des Opfers geschändet – Alexander B. hatte da bereits in Untersuchungshaft gesessen. In beiden Fällen war der Kopf der Leiche aus dem ausgegrabenen Sarg entwendet worden. „Da muss man kein Hellseher sein, um Paralleln zu erkennen“, sagt der Oldenburger Rechtsanwalt Axel Husheer. Er hat Markus‘ Eltern damals in der Nebenklage vertreten und kennt die Akten. „Zweifel an der Schuld des Alexander B. bestanden immer“, wiederholt er auch heute noch.

Im Fall Tristan Brühbach hofft man jetzt auf einen entscheidenden Ermittlungserfolg: Der verstorbene „Hurenmörder“ von Bad Homburg, Manfred Seel, steht jetzt bei den Ermittlern im Fall Tristan und weiteren ähnlich gelagerten Fällen im Fokus. Hat Seel auch Tristan Brühbach ermordet? Die Ermittler arbeiten an einem Bewegungsbild des früher in der Entrümplungsbranche beschäftigten Seel. Dessen Tochter hatte, als sie den Nachlass ihres Vaters regelte, in einer Säuretonne die Leiche einer Frau gefunden. Art und Weise der Tat ließen schnell Rückschlusse auf weitere Morde an Frauen zu.

Zehn Menschen soll Seel auf dem Gewissen haben – so bislang der Verdacht. Und die Ermittler rechnen auch das Verbrechen an Tristan Brühbach dem Killer Seel zu – Art und Weise des fachmännischen Zerstückelns sowie das Schnittbild würden diesen Schluss zulassen. Ein Ermittlungsansatz, der von der bisher herrschenden Meinung zu Serientätern erheblich abweicht. Glaubte man bisher, dass ein Serientäter nicht die Geschlechter wechselt – also nur Frauen oder Männer tötet – scheint Seel hier die Ausnahme zu sein. Und Anlass, umzudenken. Auch den Schüler Tristan Bühbach soll Sell auf dem Gewissen haben – „warum nicht auch Markus Wachtel?“ sagt Alexander und schöpft Hoffnung, dass seine Unschuld – wenn auch sehr spät – nun doch noch in Betracht kommt und vielleicht sogar bewiesen wird. „Ich beobachte den Fall genau. Und wenn ich erkenne, da passt was, will ich eine Wiederaufnahme meines Falles“, sagt er. Ein Anwalt ist bereits eingeschaltet.

Der damalige Indizienprozess gegen Alexander B. wurde hinter verschlossener Tür, unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten. Damals blieben viele Fragen offen. „Unter den gegebenen Umständen und angesichts der neuen Erkenntnisse ist eine Wiederaufnahme denkbar“ , sagt sein Rechtsanwalt. „Mir ist wichtig, dass auch Markus Eltern wissen, dass ich ihren Jungen nicht auf dem Gewissen habe – und der wahre Täter noch nicht ermittelt ist“, sagt Alexander. Und er legt Blumen am Grab von Markus nieder.

Von Rainer-Josef Burkard

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