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Celle Stadt Vespa-Bazillus geht in Celle um
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vespa-Bazillus geht in Celle um
19:42 02.01.2017
Mehr als 5000 Besucher werden zu den Vespa World Days in Celle erwartet. Veranstalter Friedemann Vorwerk kommt allein auf elf Roller. Seine Ehefrau Claire Vorwerk hat ihr Alltagsmodell mit dem Union Jack dekoriert. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Für den Celler Friedemann Vorwerk, Jahrgang 1969, war der Vespa-Roller sein erster finanzierbarer fahrbarer Untersatz. Das war 1986. „Ich war mit der Vespa eigentlich gleich extrem verbunden“, sagt Vorwerk im Rückblick. Immer wieder habe ihn der Roller zuverlässig von A nach B befördert. Kein Wunder, dass sich Vorwerk später, als er den finanziellen Rückhalt hatte, eine zweite Vespa kaufte.

Zwei Punkte seien es, die die Vespa für ihn so einzigartig machen: Die technische Überlegenheit anderen Rollern gegenüber und die Form des Fahrzeugs. „Und die Art, wie man damit fahren muss: Man muss gemütlich fahren, weil es Bauart und Motorleistung nicht anders hergeben“, beurteilt Vorwerk das Zweirad. Für ihn persönlich sei der Weg das Ziel. „Ich fahre um des Fahrens Willen. So kann ich den Kopf frei bekommen.“

Inzwischen besitzt er elf Vespa-Roller und hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht. Ehefrau Claire Vorwerk (44) hatte zunächst starke Vorbehalte gegenüber dem traditionsreichen motorisierten Zweirad aus der italienischen Fahrzeugschmiede Piaggio. Sie fuhr lieber Auto. Inzwischen aber ist der Vespa-Bazillus auch auf sie übergesprungen. Dann bestand sie die Motorrad-Führerscheinprüfung, wohl wissend, dass sie nie wieder auf ein Motorrad steigen würde. Jetzt steigt sie auf eine Vespa PX125 von 1996: „Das ist mein Alltagsroller. Mit Winterreifen“, sagt sie. Ihrem Geburtsort Eastbourne am Ärmelkanal in Südengland entsprechend hat sie den Roller mit dem Union Jack dekoriert.

Selbst ihre Kinder Alec (14) und Anne (10) sind bereits infiziert: Alec möchte zu gern bei den Vespa World Days im Juni mitfahren. „Beide haben ihre Roller schon in der Garage stehen“, sagt Claire Vorwerk.

Der kleine Aufkleber am Windschutz des Rollers von Claire Vorwerk sagt es deutlich: „See you in Celle – Vespa World Days – 22. bis 25. Juni 2017“. Ein großes Ereignis beschäftigt die Celler Vespa-Fahrer intensiv. Friedemann und Claire Vorwerk, Ingo Weise und Boris Jacobi kümmern sich um das nächste Welttreffen der Vespa-Freunde in Celle. San Marino, London und Saint-Tropez sind nur einige Städte, in denen bisher Vespa World Days stattfanden. Die Liste wird in diesem Jahr um Celle erweitert. Seit dem letzten Treffen in Deutschland im Jahr 2000 in Hamburg fanden in diesem Land keine Vespa World Days mehr statt. Und jetzt in Celle.

Die Keimzelle der Veranstaltung, die von Donnerstag, 22. Juni bis Sonntag, 25. Juni, im Bereich der CD-Kaserne als „Vespa Village“ stattfindet, bildet der ganz eingeschworene Freundeskreis von rund 60 Celler Vespa-Fahrern. Denn nach dem ersten lokalen Rollertreffen 1991 am Strandbad Flotwedel verabredeten sich die Vespa-Fans alljährlich zu Treffen mit Ausfahrten. „Seit 20 Jahren finden unsere Treffen immer in Walle statt – parallel zum Heideblütenfest in Meißendorf am letzten Augustwochenende“, erklärt Friedemann Vorwerk. „Da haben wir immer rund 250 bis 300 Gäste. Unsere Treffen sind die größten in Norddeutschland.“

Das soll in diesem Jahr getoppt werden, denn zu den Vespa World Days in Celle werden weit über 5000 Besucher erwartet, die aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt anreisen. „Wir haben schon Anmeldungen aus Israel und Indonesien“, verrät Claire Vorwerk. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Schirmherrschaft übernommen. Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) wird das Meeting eröffnen, zu dem schon jetzt Hotelzimmer in Celle Mangelware sind.

Das klare „Ja“ von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) und seiner Mannschaft zu der Veranstaltung hat Friedemann Vorwerk im Januar 2013 motiviert, die Vespa World Days weiter voranzutreiben. Und schon ein paar Monate später hatte Vorwerk das ebenso klare „Ja“ vom Vespa World Club in Hasselt in Belgien: „Die waren glücklich, die Vespa World Days 2017 nach Celle zu vergeben“, sagt Vorwerk heute. „Bereits als wir nach dem Treffen in Hasselt zu Hause waren, hatten wir die ersten Anmeldungen vorliegen“, ergänzt Ehefrau Claire Vorwerk, die für Anmeldungen und für die Werbung verantwortlich ist.

Vor dem Haus der Vorwerks im Hehlentorgebiet hängt das Schild „Vespa parking only“. Logisch.

Von Lothar H. Bluhm