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Celle Stadt Violin-Duo brilliert mit Perfektion
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Violin-Duo brilliert mit Perfektion
15:44 08.02.2012
Abonnementskonzert Antje Weithaas und Christian Tetzlaff Quelle: Peter M¸ller
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Mit gebündelter virtuoser Energie und lustvoller Gestaltungsfreude begeisterte das Violin-Duo Antje Weithaas und Christian Tetzlaff am Dienstag beim 4. Abonnementskonzert des Kammermusikrings in der Residenzhalle des Schlosstheaters. Selten hat man zwei Musikanten in so makelloser Harmonie musizieren hören. Das war weit mehr als additives Zusammenwirken, das war brillantes Zusammenspiel mit der Perfektion eines Reißverschlusses. Das eingespielte Duo meisterte jeden Übergang, und auch in den synchronen Passagen war nicht ein einziger Wimpernschlag der Verzögerung zu bemerken.

Heraus kam ein Feuerwerk geigerischer Effekte: Ob Jean-Marie Leclairs mit französischer Grazie dargebotene D-Dur-Sonate oder Charles de Bériots leidenschaftlich entfaltetes Bravourstück „Duo concertant“, ob Eugene Ysaÿes mit expressivem Furor entwickelte a-moll-Sonate oder Béla Bartóks 44-teiliges Kompendium atemberaubender, für zwei Violinen geschaffener Miniaturkunstwerke, von denen Weithaas und Tetzlaff 14 ausgewählte Stücke präsentierten – sie ließen die Farben ihres virtuos beherrschten Spiels vom warm-sonoren Gesang über das Funkeln und Blitzen bei virtuosem Passagenwerk bis zum Gleißen in den hohen Registern malerisch schillern. Zwischen sensiblem Aushorchen und emotionaler Ekstase setzten sie in den dynamisch pulsierenden, leidenschaftlich aufblühenden Sonatensätzen mal auf intime Schönheit von kantabler Ruhe, mal auf die rhythmische Pointiertheit dramatischer Crescendi.

Nicht zuletzt die Bartók-Duos musizierten sie mit einer umwerfenden, manchmal auch verträumt wirkenden Leichtigkeit. Dabei schafften sie es, den musikalischen Charakter der meist nur eine Minute dauernden Piècen von der „Burleske“ bis zum „Mückentanz“ genau zu treffen. Bisweilen gestalteten sie ihren intonationssicheren und präzisen Vortrag mit bewusst sparsamer und zurückhaltender Tongebung, um dann an anderen Stellen geradezu ausgelassen und wild hervorzubrechen und im nächsten Stück den Notentext wieder mit großer Zartheit auszulegen. Das Ergebnis war ein Panorama aus ständig wechselnden Perspektiven und Stimmungsbildern, die das begeisterte Publikum als spannungsgeladene Abfolge mitreißender musikalischer Szenen erlebte. Fantastisch.

Von Rolf-Dieter Diehl