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Celle Stadt Vogler-Quartett begeistert Kinder und Erwachsene
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vogler-Quartett begeistert Kinder und Erwachsene
15:37 20.03.2017
Das Vogler-Quartett begeisterte Festsaal des Celler Schlosses auch die rund 120 Kinder unter den Zuhörern mit seinem virtuosen Spiel. Quelle: Alex Sorokin
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Bei Streichquartetten von Franz Schubert (Nr. 10 Es-Dur), Erwin Schulhoff (Nr. 1, op. 8) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Nr. 2 a-Moll) presste das Ensemble mit einem hohen Grad an Innenspannung ein Maximum an Charme und Leidenschaft aus den einzelnen Sätzen und brillierte mit bogentechnischen und fingerzupfenden Finessen. Schon bei Schuberts grandioser Mischung aus atemberaubender Dramatik und lyrischer Zurücknahme wurde offenbar, wie sehr das emotional durchpulste Spiel des Ensembles aus seiner tief auslotenden Interpretation der Musik resultierte. Gerade das Gespür für Farbschattierungen – in den Einzelstimmen wie auch im dynamisch höchst ausgefeilten Mit- und Gegeneinander – prädestinierte das Vogler-Quartett förmlich für Schuberts Seelenanalytik, etwa als es beim sphärischen Adagio in filigranster Schönheit das Intime, Zerbrechliche und komplementär dazu das Melancholische hervorzuheben wusste. Eine begeisternde Verbindung von hinreißender Virtuosität, emotionaler Ausdrucksstärke und rhythmischem Nerv.

Melancholie blitzte auch immer durch den tänzerischen Charme von Schulhoffs Streichquartett hervor, einem fesselnden Wechselspiel aus zarter Geigenmelodie, sphärisch oszillierendem Klangteppich und sarkastischen Untertönen. Gerade dieses Spiel mit Kontrasten, bei dem die eine Stimmung die andere immer wieder vertreiben zu wollen schien oder sich zumindest neben ihr zu behaupten suchte, zog sich wie ein roter Faden durch das Werk des seinerzeit von den Nazis Verfolgten. Eine mitreißende Interpretation, die von einem gelungenen Miteinander von Verve und Sensibilität geprägt war. Beherzt im buchstäblichen Sinne und mit ungemein viel Emphase gestaltete das Ensemble schließlich Mendelssohns a-Moll-Quartett. Mitreißend, wie sich die gebündelte Energie dieses musikalischen Dramas mehr und mehr in ein immer beseligteres Singen verströmte, klanglich erlesen und von einem selten zu erlebenden Feinsinn. Selbst die jüngsten Zuhörer zeigten sich am Ende total begeistert von diesem Konzert.

Von Rolf-Dieter Diehl