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Celle Stadt Vollendete Vokalkunst gezeigt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vollendete Vokalkunst gezeigt
09:49 08.06.2016
Das A-Cappella-Ensemble „Singer Pur“ bot den Zuhörern in der Neuenhäuser KircheSangeskunst in Perfektion. Quelle: Alex Sorokin
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Keine Frage: Singer Pur hat sich einmal mehr als eine Gruppierung erwiesen, die im großen Umfeld der erstklassigen A-Cappella-Formationen einen Ausnahmerang einnimmt. Das Besondere dieser fünf Männer und einen Frau ist nämlich, dass sie ohne die in dieser Branche fast unvermeidliche Show auskommen und dass ihr Singen bei aller künstlerischer Perfektion immer natürlich wirkt.

Erlebte man das legendäre, auf ihre Weise einzigartige Hilliard-Ensemble immer mit äußerst artifiziellem, fast schon unnatürlich wirkendem Singen, so ist derartiges bei Singer Pur nicht zu erleben. Wie selbstverständlich sich alle Stimmen ins große Ganze einfügen, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Und ganz besonders schön ist, dass hier einmal mehr in der Person der einzigen Sängerin des Ensembles zu erleben gewesen. Wie sich diese Sopranistin mit einer so glockenreinen wie schwerelos geführt Stimme in den Klang integriert, aber eben immer präsent bleibt, das macht vielleicht die Einzigartigkeit von Singer Pur aus. Genießen konnte man diesen Klang am besten im zweiten Teil des Programms mit volksliedhaften Titeln der deutschen Romantik und Volksliedbearbeitungen der unterschiedlichsten Art.

Im ersten Teil stellte das Ensemble seine Kunst in den Dienst früher Musik aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und bot zudem zwei Werke zeitgenössischer Komponisten. Über den Rang dieser keineswegs neuen Klänge von Ivan Moody und Joanne Metcalf kann man sich sicher streiten, sehr einfallsreich waren sie auf jeden Fall nicht, kunstvoll gearbeitet wirkten sie auch nur bedingt, aber perfekt gesungen waren sie ohne Einschränkung. Bei der frühen Musik von John Dunstable über Guillaume Dufay bis Jean de Latre faszinierte vor allem die Perfektion in der Umsetzung dieser komplexen, uns heute eher fremd scheinenden Musik. So staunte man im ersten Teil des Programms mehr über die technischen Fähigkeiten des Ensembles während man im zweiten Teil ganz dem Faszinosum der gebotenen Musik und ihrer sinnenfreudigen Umsetzung erliegen konnte. Ein ganz starker Abend.

Von Reinald Hanke