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Celle Stadt Vollmundiger Klang überfließender Herzen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vollmundiger Klang überfließender Herzen
15:16 27.08.2010
Christiane Grümmer-Hohensee (Alt, rechts) und Martina Schänzle (Sopran) mit ihrer Klavierbegleiterin Mari Adachi-Wachter bei ihrem Liederabend im Beckmannsaal. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Die Interpretinnen Martina Schänzle (Sopran) und Christiane Grümmer-Hohensee (Alt) ließen vom ersten Liebesimpuls der „Ersten Begegnung“ über „Sehnsucht im Herzen“ und „Wonne und Lust“ bis zu Trennungsschmerz und Witwentrauer ihren Emotionen zwischen entrückter Ausgelassenheit und lethargischer Melancholie freien Lauf, nicht deklamierend, sondern wie im richtigen Leben. Sie trafen – mal solistisch, mal im Duett – mit dem vollmundigen Klang eines überfließenden Herzens den Ton mädchenhaften Begeisterungstaumels ebenso glaubwürdig wie den der sehnsuchtsvollen Erregung und der lustvollen Hingabe. Ihre Stimmen waren dabei geprägt von sinnlicher Leidenschaft und einer natürlichen Schönheit, die nicht packt und überwältigt, sondern rührt und berührt – eine Mischung aus aufwühlender Kraft und introvertierter Zartheit. Zudem bestachen sie immer wieder mit untrüglichem Stilgefühl und einfühlsamen textbezogenen Schattierungen „zwischen den Zeilen“, wodurch keine Nuance des Empfindens verloren ging. Die emphatischen Liebesbekenntnisse („Seit ich ihn gesehen“) gingen genauso zu Herzen und unter die Haut wie das schwärmerische „Du Ring an meinem Finger“ oder das elegisch ersterbende „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan“.

Die unaufdringlich begleitende Pianistin Mari Adachi-Wachter vermied jede ablenkende Klangzauberei. Mit der ihr eigenen Sensibilität und Feinnervigkeit setzte sie vielmehr wohl dosierte, strukturell erhellende agogische und dynamische Akzente. So gelang dem gut gelaunten Trio ein zauberhaftes Miteinander von Gesang und Klavier, ein gefühlsbetonter, begeisternder Liederabend, bei dem die melodiös natürliche Genüsslichkeit keine befremdlich süßliche Sentimentalität aufkommen ließ.

Von Rolf-Dieter Diehl