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Celle Stadt Vom Ei bis zur Krücke: Helga Siebert in Kunst & Bühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Ei bis zur Krücke: Helga Siebert in Kunst & Bühne
14:26 23.11.2010
Helga Siebert Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

In ihrem neuen Solo bot die Hamburger Schauspielerin, Schreiberin und Kabarettistin eine lustvolle Abrechnung mit dem Leben der Frau, vom Ei bis zur Krücke. Sie macht sich Gedanken über politischen Bauchtanz und präsentiert ein Pillengedicht, mimt mit Zopf und Kleidchen die missratene Göre, die im Kindesalter schon ans Erben denkt, sinniert über das männlich-weibliche Zusammenkommen ebenso wie über die armen Schmalsattelbiker. War der Teil bis zur Pause etwas spröde und teilweise sogar recht flach, stieg der Humorpegel gegen Ende deutlich an. Wenn Berlin Deutschlands wärmste Stadt ist, wo sich immer mehr Männer für Männer erwärmen und Sitzheizungen Eierkocher sind, mag das stimmen, haut aber niemanden um. Auch nicht der Aufruf: „suche gutes Spermienmaterial von Mann aus Boden- oder Käfighaltung“. Eher schon die Szene der Hanseatin „Adoption per Hochglanzkatalog“. Die Gedichte, die Siebert zwischen die Weisheiten von Welt einflocht, trafen dagegen in die empfindsame Mitte oder amüsierten, wie jenes von Büschel und Zipfel. Mit dem Geständnis, dass sie auf kleine Wadenbeißer oder aber sportliche elegante Adonisse á la Maske steht, ging es dann in die nächste Runde. Siebert verlor sich wieder in Gedanken über second hand man oder Designermodell, Kapselbildung und Wanderbusen. Zu guter Letzt gründet sie als quietschfideles Omchen die Partei „Die Fitten“, denkt über Benedettos Organspendeausweis, heilige Nierensteine und die Schnellbauvariante von Erdmöbeln nach. Sie ist eine Dame fürs Derbe. Direkt und manchmal delikat.

Von Aneka Schult