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Celle Stadt Vom Ende der Celler Welfen-Herrlichkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Ende der Celler Welfen-Herrlichkeit
16:01 24.06.2016
Der Welfenbund legt am Langensalza-Denkmal regelmäßig Kränze nieder. Quelle: Alex Sorokin
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Der Niedersächsische Heimatbund veranstaltete mit dem Heimatbund Niedersachsen jetzt anlässlich des 150. Jahrestages der fast vergessenen Schlacht von Langensalza im Historischen Museum die Tagung „Zwischen Königreich und Provinz“. Professoren der Regional- und Landesgeschichte aus Hannover sowie Thomas Loch vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam lieferten Einblicke in diesen Teil der deutschen Einigungskriege, an deren Ende fünf Jahre später die preußisch dominierte, kleindeutsche Lösung des zweiten Deutschen Reiches 1871 stand.

Die Ereignisse in Langensalza ordnete Loch in die strategischen Gesamtüberlegungen des an dem Tage noch in Berlin weilenden Chefs des Generalstabes Helmuth von Moltke ein. Loch räumte mit dem liebgewordenen Mythos auf, dass es sich bei den Ereignissen in Langensalza am 27. Juni tatsächlich um eine Schlacht gehandelt habe. Der geniale Stratege von Moltke habe gewusst, dass die Entscheidung im deutsch-österreichischen Krieg wenige Tage später auf dem Hauptschlachtfeld beim böhmischen Königgrätz fallen werde. Er habe die Niederlage eines Teils der Westarmee bei Langensalza in Kauf genommen, um Zeit zu gewinnen, seine Armeen für das Hauptgefecht besser aufzustellen. In Langensalza habe sich lediglich ein Gefecht ereignet, das den Hannoveranern den weiteren Vormarsch unmöglich machte. Der Hannoversche König Georg V. hatte sein Königreich Hannover bereits in dem Moment verloren, als es das Gefecht mit seinen Truppen annahm. Konsequent erfolgte die Kapitulation der Hannoveraner am darauf folgenden Tag, um angesichts der aussichtlosen Lage nicht noch mehr Blut zu vergießen.

Spätestens an diesem Tag war auch deutlich, dass der unglückliche und blinde Hannoversche König Georg V. eine durchaus tragisch zu nennende Figur war. Er war mit seinen Ehrbegriffen, politischen Ansichten und Wahrnehmungen aus der Zeit gefallen. Sein Verhängnis war, dass er für die sich ändernde politische Großwetterlage kein Sensorium hatte. „Der Charakter Georgs ist sein Schicksal gewesen“, so urteilte ein Historiker.

Warum die Preußen in den Folgejahren aber an vielen Orten der ehemals welfischen Lande den Erinnerungsmythos Langensalza entstehen lassen, darüber lässt sich nur spekulieren. War es der Großmut der Sieger oder eine Geringschätzung der Welfen, die einfach keine ernst zu nehmenden Gegner mehr waren? Abzählverse der Kinder „Gelb und Weiß - Ehrenpreis / Schwarz und Weiß – Fliegenscheiß“, nahmen die Preußen nach 1866 hin. Wenn aber an einem Erinnerungsort die unsichtbare Grenze des Zuviel an gelb-weißer welfischer Verehrung überschritt, griffen sie ein. Als die Celler am 4. Oktober 1869 auf dem Platz „Im Kreise“ das Langensalza-Denkmal einweihten, ließ die preußische Militärverwaltung es am folgenden Tag durch Soldaten wieder abräumen.

Zwar verlor das General- und Garnisonskommando den angestrengten Gerichtsprozess, aber das Denkmal wurde nicht wieder an prominenter Stelle errichtet, sondern etwas abseits an der Hannoverschen Straße. Erst 1920 kam es wieder auf den ursprünglichen Platz, 1959 fand es sich vor der Garnisonkirche auf dem Langensalzaplatz und 1982 kam es in den Französischen Garten.

Von Martin Thunich