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Celle Stadt Vom Glücksbringer zum Gebäudetechniker
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Glücksbringer zum Gebäudetechniker
18:56 23.08.2018
Stefan Schreiber übernimmt zum 1. September den Kehrbezirk 103 von Klaus Hermann Stelling mit 2450 Liegenschaften. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Bezirksschornsteinfeger Klaus Hermann Stelling kann auf mehr als 50 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Er erzählt: „Als ich 1968 angefangen habe, haben wir alle sechs Wochen die Schornsteine gekehrt. Da die Leute damals noch wenig mit Öl und Gas geheizt haben, war der Rußanteil dementsprechend hoch.“ 1972 habe es einen „gewaltigen Ruck gegeben“, als die Abgasmessungen als neue Aufgabe hinzukamen. Im Laufe der Jahre turnte der Schornsteinfegermeister immer weniger auf Dächern herum. Die Energieberatung und das Qualitätsmanagement nahmen Stück für Stück mehr Raum ein. „80 Prozent der Gebäude sind Altbauten, die alle nachgedämmt werden müssen. Ich habe lieber mit Leuten gesprochen, als zu kehren. Sie zu beraten, war für mich entscheidend“, sagt Klaus Hermann Stelling. Um als Schornsteinfeger mithalten zu können, müsse man immer „up to date sein“ und „nah am Herzen der Technik“. „Heute wollen wir unabhängig von Gas und Öl werden. Nun kommen die Brennstoffzellen. Ich weiß nicht, was sich durchsetzen wird“, so Klaus Hermann Stelling. Er kann gelassen in die Zukunft schauen. Nach fast 30 Jahren Amtszeit als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger der Stadt Celle geht er am 1. September in den wohlverdienten Ruhestand.

Das Stadtgebiet ist in zehn Kehrbezirke aufgeteilt. Stefan Schreiber übernimmt den Kehrbezirk 103 von Klaus Hermann Stelling mit 2450 Liegenschaften. Er ist in den Stadtteilen Wietzenbruch, Neustadt, Heese sowie einigen Straßen in Hambühren unterwegs. Der 36-Jährige kommt bereits auf 20 Jahre Berufserfahrung und ist seit elf Jahren Meister. Viele Jahre war Stefan Schreiber in der Altstadt in der traditionell schwarzen Kleidung unterwegs. „Es kam schon mal vor, dass die Leute mir vier oder fünf Mal am Tag auf die Schulter geklopft oder an einem meiner Knöpfe gedreht haben“, erzählt der Schornsteinfeger. Jemand habe ihm auch schon einen Knopf abgerissen, um ihn als Glücksbringer mitnehmen zu können. Den Glauben, dass es Glück bringen soll, einen Schornsteinfeger anzufassen, gibt es schon viele Jahrhunderte. „Im 17. Jahrhundert war Celle dicht bebaut. Wenn die Schornsteinfeger im Kehranzug vorbeikamen, war klar, dass sie gerade die Rauchfänge sauber gemacht haben. Sie freuten sich, weil sie dachten, dass so ihr Haus nicht abbrennen würde.“ Gerade in einer Fachwerkstadt wie Celle sei die Gefahr groß, dass bei einem Brand die halbe Stadt abbrennen könnte.

Torben Kück ist erneut der Bezirksschornsteinfeger für den Kehrbezirk 107, zu dem etwa 2900 Liegenschaften in den Stadtteilen Altencelle, Altstadt, Blumlage sowie einige Straßen in Nienhagen gehören. Während Klaus Hermann Stelling den Wandel von festen Brennstoffen zu regenerativen Energien miterlebt hat, beschäftigt sich Torben Kück mit anderen Herausforderungen. „Bei der Umsetzung der Klimaziele der Bundesregierung haben Schornsteinfeger eine besondere Bedeutung. Jeder von uns überprüft im Durchschnitt 12.000 Tonnen CO2 im Jahr“, erzählt der 42-Jährige. Die Energieberatung gehöre momentan zu den wichtigsten Themen. „Da gibt es genug Gesprächsbedarf“, sagt Torben Kück. Bei den Beratungen hätten Energieausweise oberste Priorität. „Bei der Modernisierung von Heizungen, Türen und Fenstern ist der Bedarf sehr gering.“ Dazu erhielten die Schornsteinfegermeister keine 20 Anrufe pro Woche. Doch die Experten sind sich sicher: „Je teurer die Energie wird, umso häufiger werden Anfragen zur Modernisierung kommen.“

Torben Kück engagiert sich bei der Innung und nimmt regelmäßig an Fortbildungen teil. Im Trend liegen „Smart Homes“ mit aufwendiger Gebäudesystemtechnik. Mittlerweile bieten die Schornsteinfeger auch Lüftungsberatung an. Es geht um Fragen, wie die Luft keimfrei bleibt und welche langfristigen Auswirkungen das Raumklima auf die Gesundheit hat. Dabei gebe es erhebliches „Konfliktpotenzial“. Häufig diskutieren die Schornsteinfegermeister mit ihren Kunden, wie wichtig es ist, Filter zu warten, zu reinigen oder auszutauschen. „Wir schauen gerne mal mit einer Kamera in die Leitungen hinein und filmen, was sich darin tummelt“, erzählt Torben Kück.

Aber auch die aktuelle Umstellung von L- auf H-Gas beim Celler Energieversorger SVO hält die Schornsteinfeger auf Trab. „Das fordert uns nervlich, aber auch das kriegen wir geregelt. Es läuft immer besser“, sagt Torben Kück. Werbung machen die Schornsteinfeger kaum für ihr Handwerk, weil auch sie merken, dass es immer weniger Fachkräfte gibt. Um ihre hoheitlichen Pflichten zu erfüllen, sind die bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger den ganzen Tag beschäftigt. Privatwirtschaftliche Aufgaben wie Messungen übernimmt ein weiterer Mitarbeiter. Michael Kampe, Obmann der Kreisgruppe Celle, betont, dass der formelle Aufwand inzwischen sehr hoch sei: „Doch daran führt kein Weg vorbei.“

Von Dagny Siebke

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