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Celle Stadt Vom Schmerz der Mutter Gottes
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Schmerz der Mutter Gottes
13:25 20.03.2012
Bild 1: Die Celler Stadtkantorei und die "Helios-Kammerphilharmonie" bei Dvor‡ks "Stabat Mater"-Auff¸hrung in der Stadtkirche. - Bild 2: Die Gesangssolisten (von links) Hans-Christian Hinz (Bass), AndrÈ Khamasmie (Tenor), Kerstin Rosenfeldt (Alt) und Danuta Dulska (Sopran) sowie die Celler Stadtkantorei und die "Helios-Kammerphilharmonie" bei Dvor‡ks "Stabat Mater"-Auff¸hrung in der Stadtkirche. - Bild 3: Die Celler Stadtkantorei und die "Helios-Kammerphilharmonie" sowie die Gesangssolistinnen (von links) Kerstin Rosenfeldt (Alt) und Danuta Dulska (Sopran) bei Dvor‡ks "Stabat Mater"-Auff¸hrung unter der Leitung von Martin Winkler (rechts) in der Stadtkirche. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Dvorák schuf sein raumgreifendes oratorisches Sakralwerk vom Schmerz der Mutter Gottes über den gekreuzigten Sohn unmittelbar, nachdem sein eigene Tochter Josefa gestorben war. Dennoch endet das durch seine gewaltigen Aufwallungen erschütternde Werk „Stabat Mater“ am Ende („Paradisi gloria“) in Lebensbejahung und Hoffnung auf Erlösung.

Kirchenmusikdirektor Martin Winkler erwies sich mit der Celler Stadtkantorei und der „Helius Kammerphilharmonie“ aus Hannover sowie den Solisten Danuta Dulska (Sopran), Kerstin Rosenfeldt (Alt), André Khamasmie (Tenor) und Hans-Christian Hinz (Bass) bei der Aufführung des Werks am Sonntag in der Stadtkirche den enorm hohen Ansprüchen und Anforderungen an die Verzahnung von Chor, Orchester und Vokalsolisten mehr als gewachsen. Er stellte das in zehn Abschnitte gegliederte Werk beeindruckend „objektiv“ hin, in den Steigerungen klug kontrolliert, aber nicht gebremst, episch phrasierend, natürlich atmend und ohne jeden emotionalen Überdruck.

Die Stadtkantorei war prächtig disponiert, so dass bei ihrer akkuraten lyrischen wie dramatischen Ausformung des „Stabat Mater“ in jedem Lautstärkegrad noch klangfarbliche Nuancierungen gelingen konnten. Auch bei Teilung der Stimmen blieb genug Klangfülle übrig, ohne dass es der Chor schwer gehabt hätte, sich gegenüber dem Orchester zu behaupten. Von den zumeist ruhigen Tempi profitierten die Streicher des Orchesters, was einen Zugewinn an wohliger Klanglichkeit brachte. Und auch die Bläser wussten mit akzentuierter Tongebung und organisch atmender Phrasierung zu gefallen.

Imposante Steigerungen in Dynamik und Intensität, gut geführte Spannungsbögen mit adäquat vernähten Übergängen sowie innige Solistenstellen verwiesen immer wieder eindringlich auf den oft meditativ-verinnerlichten Gehalt des Oratoriums, etwa im Larghetto, wo dem Tenor das Kunststück gelang, das Weinen mit Maria ohne Peinlichkeit in eine Sphäre zu führen, wo wirklich Trost geschieht. Dass diese treffende Charakterisierung des Oratoriums beim Publikum angekommen war, bewies der überaus lange und herzliche Schlussapplaus.

Von Rolf-Dieter Diehl