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Celle Stadt Vom Schreihals bis zum Verstummten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Schreihals bis zum Verstummten
15:33 04.02.2010
N e u i g k e i t e n Malerinnen Brigitte Merbach-Gerl links und Inge Frisius rechts stellen in der galerie Am kleinen Plan aus Quelle: Peter Müller
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Drei Malerinnen des Bundes Bildender Künstler Celle zeigen aktuell Arbeiten in der Galerie am Kleinen Plan, einem „Hort, der gepflegt werden sollte“, wie Dietrich Klatt vom BBK Celle einführend bemerkte. Das restaurierte Haus aus dem 16. Jahrhundert bietet als eine der wenigen Stätten in der Celler Innenstadt moderner Kunst ein Forum. „Kultur ist auch ein Lebensmittel“, betonte Klatt. „Es schärft die Sinne und hält gesund.“

Am Sonnabend eröffnete Peter Missler aus Celle mit Saxophon-Improvisationen die Ausstellung „Neuigkeiten“ von Inge Frisius, Hildegard Mahn und Brigitte Merbach-Gerl. Frisius zeigt ihre Arbeiten unter dem Titel „Köpfe – Köpfe“ im ersten Stock. „Hier sind nur Kerle“, sagt sie. „Ein paar Weiber. Sympathische und unsympathische. Ich dachte, ich muss mal Köppe malen.“ Die 13 Acryl-Porträts seien keine zehn Tage alt. Als spontan, gestisch, mit heftigen Pinselstrichen auf die Leinwand gebracht, stellte Klatt die Bilder den subtileren Arbeiten der Mitstreiterinnen gegenüber. Das Rot vor weitem Blau, gehalten von einem erdigen Rahmen sprühe vor Kraft. Mit ihren Köppen, die keine realen Modelle kennen, eher dem Geiste entsprungene Sinnbilder, Urbilder, Archetypen sind, hat sich Frisius malerisch auf neues Terrain begeben. „Hier sitze ich, Inge Prometha Frisius, und forme Menschen“, ulkte Klatt, „den Schreihals ebenso wie den Verstummten.“

Viel leiser sind die Arbeiten von Merbach-Gerl, die sich dagegen haptisch, plastisch offenbaren. Scheinen sie scheinbar unscheinbar zu sein, sind sie technisch doch vielschichtig aufgebaut. Da wurde geweißt, gekratzt, collagiert, auch Schriftspuren sind zu finden. „In fragile pallore...“ ist zu lesen, „in zerbrechlicher Blässe...“. Dabei sei die Nähe zu fernöstlichen Traditionen für die Malerin bedeutend, wie japanische Schriftzeichen als zugleich senkrechte Strukturelemente verraten. Zwischen der rauen, brüchigen Oberfläche, zwischen Material und Farbe können, so Merbach-Gerl, Zusammenhänge entstehen, ähnlich dem ästhetischen Konzept des „Wabi-Sabi“ (Japan). Zudem stellt die Malerin computerbearbeitete Fotografien auf Transparentfolien aus, zusammengefügt aus eigenen malerischen Werken und in ein neues Medium überführt. Der zarte ästhetische Reiz bleibt bestehen.

Schließlich sind da die Gouachen, Pastelle und eine Foliencollage von Hildegard Mahn, die das Elementare der Natur zu fassen suchen, jenseits aller realen Abbildhaftigkeit mit der Wucht der Abstraktion. Mittels rhythmisierter Farbtemperaturen beschreibt sie Nähe und Ferne. Sie sucht nach einfachen und eindringlichen Formeln für Wasser, für Himmel, für Erde.

●Öffnungszeiten: In der Galerie am Kleinen Plan, Mauernstraße 32, bis 27. Februar, freitags 14 bis 18 Uhr, sonnabends 11 bis 16 Uhr.

Farbkomposition / Foliencollage von Hildegard Mahn: Mit dem Licht von hinten leuchtend bunt.

Von Aneka Schult